Bad Tölz – Wer will schon im zweiten Anlauf kürzer springen als beim ersten? „Natürlich wollen wir besser abschneiden als in der Vorsaison“, sagt Markus Berwanger, neuer Trainer der Tölzer Löwen.
Ein nicht allzu vermessenes Ziel. Schließlich wäre der erste Versuch fast ungültig gewesen. Sie haben 2017/18 als Aufsteiger, in der ersten Zweitliga-Saison seit dem Zwangsabstieg 2009, mit Ach und Krach in der letzten Play-down-Runde den Klassenerhalt geschafft.
Um nun weiter vorn als auf dem vorletzten Tabellenplatz der Vorrunde zu landen, haben die Tölzer einiges getan. Der emsige, nicht unumstrittene Löwen-Chef Christian Donbeck hat fleißig Geld gesammelt, stockte den Etat auf 1,7 Millionen Euro auf. Heuer legt Hauptsponsor „wee“ nochmals etwas drauf. Donbeck, früher Autoverkäufer, hielt viele Klein- und mittlere Geldgeber bei der Stange, kurbelte den Dauerkartenverkauf an, rekrutierte ein Team für Sprade-TV – die Löwen hatten bisher als einzige die Heimspiele nicht per Livestream übertragen.
„Und wir haben besser gescoutet als im Vorjahr“, verkündet Hubert Hörmann, Präsident des Hauptvereins EC Bad Tölz. Die Ausländer wurden bis auf Abwehr-Stütze Casey Borer ausgetauscht. Es kamen Topscorer Lubor Dibelka und Verteidiger Valentin Gschmeißner vom insolventen SC Riessersee, der Augsburger DEL-Edel-Backup Ben Meisner, der Tölzer und Ex-Garmischer Andreas Pauli aus Nauheim sowie zwei routinierte Torjäger, Stephen MacAulay aus der nordamerikanischen ECHL und der Kanadier Kyle Beach aus der ersten österreichischen Liga. Von dort wurde zuletzt auch Verteidiger Kevin Wehrs (USA) nachverpflichtet, nachdem der jüngere Simon Szhatmáry im Tryout nicht überzeugt hatte.
Den acht Neuzugängen stehen allerdings 14 Abgänge gegenüber, teils wegen Karriereende (Klaus Kathan, Josef Frank), teils wegen Vereinswechseln, oder weil die Löwen sie nicht behalten wollten.
Zum Qualitätszuwachs kommt ein Quantitätsproblem. „In der Kabine sind definitiv zwei, drei Plätze vakant“, räumt Hörmann ein. „Wenn wir Verletzte haben, kommen wir in Nöte.“ Zum Saisonstart heute (19.30 Uhr) gegen DEL2-Nachrücker Bayreuth fehlen mit Dibelka (Knieverletzung) und dem in der Vorsaison überragenden Philipp Schlager (leichte Gehirnerschütterung) schon mal zwei Leistungsträger.
Weil keine Kooperation mit einem DEL-Club zustande kam und für weitere Verpflichtungen keine Mittel mehr flüssig sind, bleibt nur eine schwammige Option, dem Löwen-Kader die bedrückende Enge zu nehmen: „Wir halten die Augen offen nach Spielern, die per Arbeitnehmerüberlassung für uns in Frage kommen“, sagt Berwanger. Also ein vorübergehender Vereinswechsel. Auf diese Weise spielte in der Vorsaison der Düsseldorfer Verteidiger Hannes Huß für seinen Heimatverein Tölz.
Das Löwen-Team ist augenscheinlich gut in Form, gewann fünf der sieben Vorbereitungsspiele. Die Spieler sind fit, zeigen Kampfgeist und Zusammenhalt, Tölzer Tugenden. Auch die spielerischen Defizite der Vorsaison scheinen der Vergangenheit anzugehören, hat der neue Trainer, der Rick Boehm nachfolgte und viel Wert auf die Defensive legt, beobachtet: „Die Special-Teams funktionieren, wir arbeiten besser nach hinten und haben Spieler, die Tore schießen können.“ Klingt nach guten Voraussetzungen, um den Abdruck heuer ein Stück weiter im Sand der Sprunggrube zu hinterlassen. Berwanger: „Wir wollen in der Liga bleiben – am besten auf einem Pre-Playoff-Platz.“