Der nächste Dämpfer für Vettel

von Redaktion

Aufgrund einer falschen Reifenstrategie kommt der Ferrari-Pilot bei Hamiltons Sieg nicht über Platz drei hinaus

von claas hennig und martin moravec

Singapur – Nach der glänzenden Formel-1-Nachtschicht von Lewis Hamilton winkte der im WM-Zweikampf weiter schwer zurückgeworfene Sebastian Vettel verkniffen ins Publikum. Nach einem gravierenden Taktik-Irrtum von Ferrari in Singapur sind die Chancen auf seinen ersten Titel mit den Italienern auf ein Minimum gesunken. „Vor dem Wochenende haben wir gesagt, dass wir uns eigentlich nur selber schlagen können, diesmal hatten wir keine Chance. Wir haben nicht alles aus unserem Paket rausgeholt“, meinte Vettel zerknirscht.

Nach seinem fatalen Crash in Monza musste sich der Heppenheimer gestern wegen einer völlig verpatzten Reifenstrategie mit Platz drei begnügen und liegt vor den letzten sechs Rennen dieser Saison in der Gesamtwertung schon 40 Zähler hinter Singapur-Sieger Hamilton.

In dem weitgehend spannungsarmen Übersee-Auftakt wurde Vettel von seinem Scuderia-Kommandostand folgenschwer zu früh an die Box geholt. Der britische Pole-Mann Hamilton sicherte sich dagegen im Mercedes ausgerechnet auf der Ferrari-Paradestrecke seinen siebten Saisonsieg vor Max Verstappen im Red Bull. In seinem 150. Grand Prix sicherte sich Renault-Pilot Nico Hülkenberg als Zehnter noch einen Zähler.

Dank seines vierten Erfolges in den letzten fünf Grand Prix hat ein Hamilton in Höchstform ein beruhigendes Polster, um sich zum fünften Mal zum WM-Champion zu krönen. „Ich bin echt fertig, das war ein hartes Rennen. Es kam mir vor wie das längste Rennen in meinem Leben“, meinte der geschaffte Brite.

Schon zu Beginn des Nachtrennens krachte es. Diesmal allerdings ohne Vettels Beteiligung, der im vergangenen Jahr nach dem Start mit seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen und Max Verstappen von Red Bull kollidiert war. Diesmal rauschten die beiden Force-India-Wagen von Sergio Pérez und Esteban Ocon in Kurve drei ineinander.

Vettel hatte zuvor einen starken Start erwischt, war gegen den Zweiten Verstappen im Positionskampf auf den 301 Metern bis zur ersten Kurve aber noch nicht volles Risiko gegangen. Auf der ersten Geraden, noch kurz bevor das Safety Car auf die Strecke fuhr, zog der Scuderia-Star an dem Niederländer vorbei.

Im Reifenpoker ergriff dann Ferrari die Initiative. In der 15. Runde erhielt Vettels Dienstwagen Ultrasoftgummis, er reihte sich als Siebter hinter Pérez ein. Einen Umlauf darauf kam Hamilton an die Box. Die Mercedes-Crew setzte aber auf die härtere Mischung, die Softpneus, um bei ihm ohne weiteren Stopp durchzukommen. Und der Brite raste als Fünfter vor Pérez und Vettel auf die Strecke.

Verstappen ließ sich an seinem Red Bull in der 18. Runde wie auch Hamilton die Softs aufziehen – und kehrte ausgangs der Boxengasse sogar noch vor Vettel auf die Strecke zurück. „Die Reifen halten nicht bis zum Ende, wir waren wieder zu spät“, kritisierte Vettel, der vor zwei Wochen in Monza nur Vierter geworden war, die Ferrari-Entscheidung.

Bei fast 70 Prozent Luftfeuchtigkeit übernahm Hamilton in der 28. Runde wieder die Führung, nachdem Verstappens Stallrivale Daniel Ricciardo als letzter Toppilot an die Box gekommen war. Die Führung des 33-Jährigen auf den Dritten Vettel lag da bei fast neun Sekunden.

Hamilton steckte später beim Überholen im Verkehr fest, Verstappen und Vettel konnten wieder näherkommen. Der Brite befreite sich jedoch rechtzeitig aus dem Asphalt-Dickicht und musste sich fortan auf sein Reifenmanagement konzentrieren. Eine Attacke von Vettel musste Hamilton auch nicht mehr fürchten. Die Reifen am Ferrari bauten zu sehr ab, während der Brite glücklich über die Ziellinie fuhr.

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