Rostock/München – Am Tag danach fühlte es sich an, als wäre doch noch der Siegtreffer für den TSV 1860 gefallen. Die Gemütslage im Löwen-Lager knapp 20 Stunden nach dem 2:2 (0:1) bei Hansa Rostock: eine Mischung aus grenzenloser Erleichterung und kollektivem Aufatmen.
Das hing mit der Meldung zusammen, die am frühen Vormittag aus einem Münchner MRT-Zentrum an die Grünwalder Straße gefunkt wurde. „Diagnose bei Adriano Grimaldi: Knieprellung“ stand über der eilig versandten Rundmail, und im Subtext las jeder, der die Bilder am Vortag gesehen hatte, ein kleines Wörtchen mit – das eingrenzende Adverb „nur“. „Nur“ eine Knieprellung, formulierte dann auch Günther Gorenzel in seiner ersten Stellungnahme. „Wir sind froh, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt wurden“, brachte es der Sportchef auf den Punkt.
Nicht nur Gorenzel hatte am Samstag relativ schnell damit aufgehört, eine eigentlich naheliegende Frage zu erörtern. Die Frage aus sportlicher Sicht war ja gewesen, ob die Löwen an der Ostsee zwei Punkte verschenkt oder dank des Elfmetertreffers von Philipp Steinhart (75.) wenigstens einen gerettet hatten, nachdem fünf Minuten Tiefschlaf nach der Pause den Ertrag einer überlegen geführten ersten Halbzeit gefährdet hatten. Mehr Tore als der von Herbert Paul mit den Haarspitzen verlängerte Steinhart-Freistoß (31.) wären leicht möglich gewesen, der dritte Sieg in Serie schien zum Greifen nah. All diese Gedankenspiele waren aber obsolet, als Grimaldi gestützt auf zwei Löwen-Physios das Spielfeld verließ und später sogar Krücken trug, als er mit besorgter Miene zum Bus humpelte.
Verursacht hatte die Verletzung Hansa-Kapitän Julian Riedel, der seiner Kampfansage im Vorfeld der Partie („Wollen 1860 aus dem Weg räumen“) schmerzhafte Taten folgen ließ. Grimaldi war in der 73. Minute alleine auf das Rostocker Tor zugerannt und dann von einer Riedel-Grätsche niedergestreckt worden. Der Elfmeter für 1860 war ein schwacher Trost, nachdem Grimaldi auch noch mit Hansa-Keeper Julian Gelios zusammengeprallt war.
Zwar kann der Sturmhüne ebenfalls austeilen, wie auch BR-Kommentator Bernd Schmelzer launig anmerkte („Wenn Grimaldi vorbeikommt, musst du schauen, dass du deine Versicherungskarte dabei hast“). Ein Ausfall des spiel- und torgefährlichen Zehners wäre für 1860 aber der offensive GAU gewesen. Mittelstürmer Markus Ziereis fehlt noch länger wegen eines Bänderrisses im Knie. Aufstiegsheld Sascha Mölders war wegen eines Knochenödems gar nicht erst mit nach Rostock gefahren. Die Misere der Löwen schien in der Nacht von Samstag auf Sonntag so akut zu sein, dass bereits der vertraglose Ex-Frankfurter Alex Meier als Nothelfer gehandelt wurde.
So aber bleibt Grimaldi an Bord – und 1860 im Rennen um die vorderen Plätze der Tabelle. Daniel Bierofka fühlt sich bestätigt, dass er weiterhin auf einem guten Weg ist mit seinen lernbereiten Drittliganeulingen. „Die letzten Wochen wurde uns vorgeworfen, dass wir hinten raus die Tore kassiert haben“, sagte der 1860-Coach: „Heute haben wir eins geschossen. Die Jungs haben an sich geglaubt, Moral gezeigt. Das war das Gute an dem Spiel.“
Das Positive überwog auch bei Torhüter Marco Hiller, der den verletzten Hendrik Bonmann in seinem ersten Drittligaspiel gut vertreten hatte. „Einerseits sind wir angepisst, dass es nur ein Punkt ist“, sagte er: „Andererseits sind wir froh, dass wir nicht mit leeren Händen dastehen.“ Und vor allem: Nicht mit einem weiteren Langzeitverletzten uli kellner