Titelanwärter Dortmund?

Junge Hunde

von Redaktion

„Die Glocken von Rom“ meinte Matthias Sammer im ersten Moment zu hören, aber dann hat sich der Eurosport-Experte und nebenamtliche BVB-Berater am Freitag gleich korrigiert. Der Querschläger, der dem Frankfurter Ausgleich in Dortmund vorausging, war nicht etwa dort gelandet, wo es Männern besonders weh tut. Sondern ein Stück tiefer, „in den Beinen von Schmelle“, wie Sammer korrekt feststellte.

Der ewige Querdenker, der sich zu Profizeiten den Beinamen „Motzki“ redlich verdiente, hat von Natur aus so viel innere Distanz zum Geschehen auf dem Rasen, dass man bei ihm keine übertriebene Parteinahme für den BVB fürchten muss. Während in der Liga die Hoffnung keimt, in den runderneuerten Borussen könnte dem FC Bayern bereits wieder ein ernst zu nehmender Konkurrent erwachsen, agiert Sammer sehr viel defensiver. Und der Freitagabend, als Dortmund vorübergehend an die Tabellenspitze zurückkehrte, gab ihm Recht.

Besagter Querschläger war ein Produkt des neuen Innenverteidigers Abdou Diallo, der zuvor die Führung erzielt hatte. Das ganze Repertoire des BVB-Kaders, der viel Talent und überschaubare Erfahrung vereint, spiegelt sich in seiner Person. Diallo (22) ist jung und hochbegabt, schnell und kopfballstark, konsequent im Zweikampf und geschickt in der Spieleröffnung. Aber manchmal auch übereifrig im Versuch, Schaden vom Tor fern zu halten, und mit Fehlern behaftet, die einem Routinier so nicht mehr unterlaufen würden. Mit BVB-Spielen ist ein bisschen wie mit jungen Hunden. Nett anzusehen, aber es kann auch mal etwas zu Bruch gehen.

Manuel Akanji, der die Position neben Diallo bekleidet, ist auch nur ein Jährchen älter. Die Borussia leistet sich im Abwehrzentrum ein Duo, das für die Zukunft Hoffnungen weckt, in der Gegenwart aber vor kleineren Rückschlägen nicht gefeit ist. Es erinnert an Mats Hummels und Neven Subotic, die mit 19 das Kommando übernahmen und in den goldenen BVB-Jahren zentrale Stützen waren. Aus dem Stand gelang dieser Coup aber nicht. Bis zum ersten von zwei Meistertiteln mussten sie noch drei Jahre reifen.

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