Kipchoges Sternstunde

von Redaktion

Der Kenianer wird seiner Favoritenrolle gerecht und verbessert beim Berlin-Marathon den Weltrekord gleich um 1:18 Minuten

Berlin – Eliud Kipchoge riss nach seinem Sensationslauf die Arme hoch und genoss die Beifallsstürme der staunenden Zuschauer. Endlich hatte es der Kenianer gepackt und seinen dritten Sieg beim Berlin-Marathon mit einem fantastischen Weltrekord gekrönt. Der 33 Jahre alte Olympiasieger wurde gestern seiner Favoritenrolle gerecht, bestimmte das Rennen vom Start an und rannte in unglaublichen 2:01:39 Stunden durchs Ziel an der Straße des 17. Juni – eine Sternstunde der Leichtathletik.

Bei anfangs idealen Wetterbedingungen war Kipchoge damit 1:18 Minute schneller als sein Landsmann Dennis Kimetto vor vier Jahren auf dem gleichen Kurs. Zugleich ist er nun der Erste, der die klassischen 42,195 Kilometern in unter 2:02 Stunden absolvierte. Kimetto war 2014 in 2:02:57 der Erste unter 2:03 Stunden.

„Ich war perfekt vorbereitet und wollte nur mein Rennen laufen. Nun bin ich unendlich dankbar und glücklich“, sagte der Sieger. Zweiter wurde Kipchoges Landsmann Amos Kipruto (2:06:23 Stunden) vor Ex-Weltrekordler Wilson Kipsang (Kenia/2:06:48).

Im Windschatten seiner anfangs drei Pacemaker schlug Kipchoge sofort ein enormes Tempo an und hatte schon nach fünf Kilometern einen Vorsprung von neun Sekunden auf Verfolger Kipsang. Die Halbmarathon-Marke passierte er in 61:06 Minuten – da war er schon 39 Sekunden schneller als Kimetto bei seinem Rekord-Rennen. Während Kipchoge weiter attackierte, brach Kipsang bei Kilometer 25 zunächst ein – selbst als Dritter verlor er mehr als fünf Minuten auf den Sieger.

Neben dem üppigen Antrittsgeld darf sich Kipchoge über eine satte Prämie von insgesamt 120 000 Euro freuen: 50 000 Euro für den Weltrekord, 40 000 für den Sieg und 30 000 als Bonus für seine Zeit unter 2:04 Stunden. Sein Durchschnittstempo ist verblüffend: 20,81 Kilometer pro Stunde km/h – das wären 422 x die 100 Meter in jeweils rund 17,3 Sekunden.

Kipchoge sorgte bei der 45. Auflage des Marathon-Klassikers für den bereits achten Männer-Weltrekord in Berlin seit 20 Jahren. Die letzten sieben fielen alle auf dem schnellen Hauptstadt-Kurs. Zweimal war Kipchoge beim Angriff auf Kimettos Zeit gescheitert. 2015 bremsten ihn defekte Laufschuhe mit herausschlappenden Innensohlen; im Vorjahr verhinderten Regen, Wind und nasse Straßen die Krönung – nur 35 Sekunden fehlten zu Kimettos Fabelzeit.

Erstmals blieben gleich drei Frauen im gleichen Marathonrennen unter 2:19 Stunden und damit auch unter dem 13 Jahre alten Streckenrekord der Japanerin Mizuki Noguchi (2:19:12). Den Sieg sicherte sich die 35 Jahre alte Kenianerin Gladys Cherono in der Weltjahresbestzeit von 2:18:11 Stunden vor den beiden Äthiopierinnen Ruti Aga (2:18:34) und Tirunesh Dibaba (2:18:55), die als Top-Favoritin gestartet war.  dpa

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