Wie bunt gefärbtes Blattwerk

von Redaktion

Arjen Robben fühlt sich nicht wie ein 34-Jähriger – und das sieht man dem Flügelmann auch an

München – Im Herbst befällt den Menschen die Melancholie, den einen mehr, den anderen weniger, das ist Typfrage. Manche sind aber auch resistent, und ein Paradebeispiel für das Unverwüstliche ist Arjen Robben, der in diesen Septembertagen ganz nebenbei auch noch dem Herbst seiner eigenen Karriere trotzt. Beim 3:1 gegen Leverkusen lief nicht alles rund beim FC Bayern, doch der Niederländer rannte wieder einmal die rechte Seite entlang, als gäbe es kein Morgen mehr. „Ich fühle mich nicht wie 34“, sagte er. Das sieht man ihm an.

Als Corentin Tolisso und später auch Rafinha verletzt abtransportiert wurden, hätte Robben durchaus Melancholie beschleichen können. Er wälzt selbst eine dicke Krankenakte, doch auch diese hat er inzwischen als kraftspendend abgespeichert. „Ich will alle Spiele genießen, in einer vollen Allianz Arena – was gibt es Schöneres? Es werden für mich nicht mehr so viele kommen“, meinte er. So sind seine Sprints wie das bunt gefärbte Blattwerk im Spätherbst – Fußballromantik.

Zwei Tore hat er schon erzielt, gegen Leverkusen nutzte er einen Patzer von Jonathan Tah zu einem besonders hübschen Treffer. „Da hat er mich gut getroffen – und ich habe dann den Ball gut getroffen“, sagte Robben über den Volleyschuss ins lange Eck, der aber nur die Krönung seines couragierten Auftritts war. „Arjen ist in Top-Form“, meinte Verteidiger Niklas Süle, „ich kann ihn rechts immer anspielen, er ist immer gierig auf den Ball.“

Beim Gegenpressing agierte der Niederländer ebenfalls an vorderster Front, da sieht er insgesamt im Team noch einiges Verbesserungspotenzial, meinte er, schob aber auch gleich nach, dass das jetzt keine Kritik an den Kollegen sei, man müsse „einfach nur Obacht geben. Wenn alle mitmachen, können wir jeden Gegner unter Druck setzen.“

Da macht sich einer Gedanken, der es noch einmal wissen will. Dass er am ersten Spieltag erst einmal draußen saß und seinen Platz in der Startelf auch dem Umstand verdankt, dass Kingsley Coman Monate ausfällt, habe ihn nicht extra angestachelt, sagte er. „Ich weiß, dass ich auch mal auf der Bank sitzen werde, aber ich gebe immer alles, das ist bei mir so.“

Mit Niko Kovac’ Ansätzen habe er viel Spaß, erzählte er, „er legt viel Wert auf das Physische, ist ehrgeizig, noch wie ein Spieler, macht aber auch immer einen sehr entspannten Eindruck“. Die Beschreibung trifft auch auf diesen Arjen Robben im Spätherbst zu. Ob ihm Kovac’ Arbeit gefalle, wurde er am Ende gefragt. „Ja, gefällt mir gut“, sagte er, dann musste er sehr lachen: „Wenn es anders wäre, würde ich es nicht sagen – aber das ist jetzt Spaß, Spaß, Spaß.“ Von Melancholie ist dieser Mann weit entfernt. Herbst hin oder her.  awe

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