„Es macht noch so viel Spaß“

von Redaktion

Felix Neureuther hat den ersten Test für sein lädiertes Knie bestanden – Gedanken ans Karriereende im Sommer

von Elisabeth Schlammerl

München – Felix Neureuther kennt sich aus mit eisigem Untergrund. Im Ski-Weltcup muss er damit zurechtkommen, öfter als ihm und vielen Kollegen lieb ist, werden Rennenpisten aggressiv präpariert. Aber darum ging es dem 34-Jährigen nicht, als er sich gestern – ganz freiwillig – aufs Eis begab. Er hat den zweiten Band seiner Kinderbuchserie herausgebracht, und da steht die deutsche Eishockeymannschaft um seinen alten Spezl aus Garmisch-Partenkirchen, Markus Kink, im Mittelpunkt. Für „Ixi und die coolen Huskys“ stellte er sich sogar ins Eishockey-Tor, allerdings in Sneakers, nicht auf Schlittschuhen.

Neureuther will ja nichts riskieren nach dem auskuriertem Kreuzbandriss. Er hat gerade erst ein paar Tage Schneetraining hinter sich. Vier Mal war er seit Ende August in der Schweiz, in Saas-Fee und Zermatt. „Es funktioniert ganz gut mit dem Knie.“ Immerhin hat er schon den ersten schweren Sturz hinter sich, „es hat mich richtig zerlegt“, erzählt Neureuther. „Das war mein Knietest, da habe ich gemerkt, das Ding hält.“

Aber wie gut es tatsächlich schon funktioniert, wird sich erst nächste Woche herausstellen, wenn es auf eisige steile, unruhige Pisten auf den Gletschern in Österreich geht. „Dann sehen wir, ob es Sinn macht, in Sölden zu starten.“ Den Riesenslalom beim Saisonauftakt auf dem Rettenbachferner hat er zwar im Blick, aber nicht um jeden Preis. „Ich mache mir nicht den Mega-Stress.“ Sein Ziel sei es „natürlich wieder dahin zu kommen, wo ich einmal war“, also ganz nach oben auf das Siegerpodest. „Denn nur, wenn ich weiß, dass ich konkurrenzfähig bin, hat es einen Sinn.“ Aber einen Zeitplan gibt es dafür nicht in diesem Weltcup-Winter mit dem Höhepunkt Ski-WM in Are.

Bei den ersten Schneetagen ging es nicht darum, möglichst schnell in Renn-Form zu kommen. Er fange ja „bei null“ wieder an, sagte Neureuther. „Ich muss das Schnell-Skifahren fast wieder neu lernen“ – und er hat erst einmal an seiner Skitechnik gefeilt, mit „Ruhe und Geduld. Die hatte ich in den letzten Jahren nie“.

In der Reha im Sommer hatte es allerdings Momente gegeben, in denen er sich gefragt hat, ob die Stunden, die man invertieren müsse, um zurückzukehren in den Weltcup, noch Sinn mache. „Dann siehst die anderen, was die für Gewichte lupfen und du selbst kannst nicht, weil dir erstens das Knie und zweitens der Rücken weh tut. Es war eine harte Zeit.“ Als er aber zum ersten Mal wieder auf Ski stand und durch die Tore fuhr, waren alle Zweifel beseitigt. „Es war klar, es macht mir noch so viel Spaß.“

Geholfen hat ihm während des vergangenen dreiviertel Jahres neben seiner Frau Miriam und dem elf Monate alten Töchterchen Matilda sein Teamkollege Stefan Luitz. Der Allgäuer war fast gleichzeitig mit Neureuther im vergangenen Dezember am Kreuzband operiert worden. Sie lagen zusammen im Krankenhaus, teilten sich später in der Reha zwei Monate ein Apartment, schauten gemeinsam Skirennen und machten sich gegenseitig Mut. „Stefan war sehr wichtig für mich und ich auch für ihn.“

Dass bei dem 26 Jahre alten Luitz der Heilungsprozess schneller voranschritt, er deshalb auch schon weiter im Training ist, überrascht Neureuther nicht. „Er ist jünger und da ist vielleicht die Motivation größer, die Zeit in die Reha zu stecken. Die war bei mir im Sommer nicht immer so groß.“ Aber dafür jetzt die Lust auf Skirennen.

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