Lissabon – .Neulich hatte Renato Sanches einen großen Auftritt. Nicht auf dem Fußballplatz – da gab es beim FC Bayern bisher sehr, sehr wenige Auftritte und noch weniger große –, sondern in einem Video des clubeigenen Fernsehsenders. Der in der Öffentlichkeit scheue Portugiese redete viel in dem Video, aber er gab dabei kaum etwas preis. Es war nur herauszuhören, dass den 21-Jährigen noch immer ein wenig Heimweh nach Lissabon, nach seiner Familie plagt.
Nun ist er wieder einmal in Portugals Hauptstadt, wenngleich nicht zu Hause, sondern in einem feudalen Hotel mit den Bayern. Aber vielleicht ist dieser Trip ein Neuanfang für Sanches. „Er wird nicht als Reiseführer dabei sein“, versprach Trainer Niko Kovac vor dem Champions League-Spiel heute bei Benfica. Es wäre der erste Pflichtspiel-Einsatz unter Kovac, bei dem er bisher so chancenlos schien wie einst unter Carlo Ancelotti. Aber durch die Verletzung von Corentin Tolisso ist Sanches in der Hierarchie ein Stückchen nach oben gerückt, wenngleich es zu einem Einsatz von Anfang an sicher nicht reichen wird. „In der Zeit, in der ich hier bin, hat er große Fortschritte getan, vor allem im Kopf aber auch fußballerisch“, sagte Kovac.
Für Sanches ist es eine Reise in die Vergangenheit, in die jüngere allerdings. Der Mittelfeldspieler war den Bayern vor zweieinhalb Jahren beim Champions League-Duell mit dem portugiesischen Rekordmeister aufgefallen. Als gerade einmal 18-Jähriger stach er mit seinen Dreadlocks nicht nur optisch heraus: Körperlich robust, technisch versiert und pfeilschnell agierte Sanches in beiden Viertelfinal-Spielen in Benficas Elf – und dabei hatte er damals gerade einmal seit einem halben Jahr bei den Profis gespielt. Ein paar Wochen später unterschrieb er einen Vertrag beim FC Bayern.
Und das Beste kam erst noch für den Jungen mit den kapverdischen Wurzeln, der im sozial schwachen Norden Lissabons aufgewachsen ist. Er schaffte den Sprung in den portugiesischen Kader für die EM in Frankreich, eroberte sich dort einen Stammplatz, erzielte im Viertelfinale ein wichtiges Tor später im Elfmeterschießen die Nerven und wurde am Ende Europameister mit Portugal Ende des Turniers mit – als jüngster Spieler, der jemals in einem EM-Finale stand.
So unglaublich diese erste Saison als Profi für ihn sein musste, so ernüchternd war das, was folgte. Bei Bayern und dann in der Premier League bei Swansea, wohin ihn die Münchner für ein Jahr ausliehen. Nun sucht er seine zweite Chance. „Wenn du nach Hause kommst, gegen deinen alten Club spielst, möchtest du dich zeigen“, weiß der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. „Es ist schon gut, dass er da ist.“ es