-Manuel Schäffler, am Samstag geht’s in der Drittem Liga zu Ihrem Heimatverein 1860? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Darauf, endlich mal wieder im Sechzger zu spielen, die Stimmung aufzusaugen und den Biero zu sehen. Wir haben uns seit meinem Abschied nicht mehr getroffen – viel zu lange her . . .
-Ist eine Wiesnmaß drin nach dem Spiel?
Keine Chance, das haut nicht hin – leider. Wir spielen schon am Dienstag gegen Großaspach, das wär alles ein bissl knapp. Letztes Jahr haben wir mit der Mannschaft eine Fahrt organisiert, dieses Mal wird’s wohl nicht klappen. Aber es gibt auch in Wiesbaden eine Art Oktoberfest, das muss heuer reichen.
-Nach unseren Informationen war ihre Rückkehr zu 1860 im Frühsommer im Bereich des Möglichen. Woran ist der Transfer gescheitert?
Es war nie so konkret, dass eine Entscheidung angestanden hätte. Ich habe keine Gespräche geführt. Natürlich hat es mich gefreut, von dem Interesse zu hören, aber das war’s dann auch.
-Ihr Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Gibt es schon Pläne darüber hinaus?
Ich will jetzt erst mal eine erfolgreiche Saison hier spielen, alles andere wird sich ergeben. Der Verein ist nicht abgeneigt, zu verlängern, aber für konkrete Gespräche ist es noch zu früh.
-Mit 22 Treffern waren Sie der erfolgreichste Torjäger der vergangnen Drittliga-Saison. Sehen wir mit 29 Jahren den besten Manuel Schäffler seiner Karriere?
(lacht) Mei, ich hoffe schon noch, dass ich mich verbessern kann. Die Saison ist noch jung, jetzt müssen wir schauen, dass wir die individuellen Fehler der Startphase nicht wiederholen und in der Spur bleiben. Mit Konstanz ist in dieser Liga fast alles möglich.
-Wehen-Wiesbaden wurde vor der Saison als einer der Favoriten auf den Aufstieg gehandelt. Jetzt steht der Klub mit sieben Punkten aus sieben Spielen auf Platz 16. Spüren Sie Druck?
Gar nicht. Es liegt an uns, die Leistung vom letzten Wochenende zu bestätigen. Defensiv stabil bleiben, dann ist mir nicht bange. Nach vorne geht hier immer was. Letztes Jahr haben wir 68 Punkte geholt und sind Vierter geworden. In allen Jahren zuvor wärst du damit unter die ersten Drei gekommen. Ein Spitzenduo, das sich absetzt, wie letzte Saison Magdeburg und Paderborn sehe ich heuer nicht. Das wird eng bleiben bis zum Schluss.
-Ihr bislang letzter Auftritt in München datiert vom 2. Juni 2015. Ein denkwürdiger Abend in der Arena…
Ja, da sind wir mit Holstein Kiel in letzter Minute aus unseren Aufstiegsträumen gerissen worden, das war grausam, ein Hauch von Leere. Trotzdem ist der Verein an dieser Niederlage nicht zerbrochen, sondern sogar noch gewachsen. Und jetzt spielt Holstein eine gute Rolle in der Zweiten Liga . . .
-Während 1860 in die Viertklassigkeit abstürzte und nun immerhin wieder in der Dritten Liga mitmischen darf.
Ich hab mich riesig gefreut über den Aufstieg. Meine ganze Familie ist blau und der Vino (Daniel Wein, d. Red. ) war mein Sitznachbar in der Kabine hier in Wehen. Ich habe das Gefühl, dass sich Sechzig neu gefunden hat. Jetzt spielen sie in ihrem Stadion, die Begeisterung und Energie sind größer als in der Zweiten Liga. Und dass schon wieder von der Bundesliga geredet wird, das gehört auch dazu (lacht).
-Mit Daniel Bierofka haben Sie bei 1860 noch zusammengespielt. War das Trainer-Gen in ihm damals schon erkennbar?
Trainer-Gen . . . Ich kann nur sagen, dass der Biero einer war, zu dem man als junger Spieler aufgesehen hat. Seine ganzen Verletzungen, der Wille zurückzukommen, seine Siegermentalität, das hat mir riesig imponiert. Und dazu ist er ein super Typ, den man einfach mögen muss, eine ehrliche Haut, die dir auch mal unschöne Wahrheiten sagt. Genau so musst du in diesem Geschäft sein, um Erfolg zu haben. Und den wünsche ich ihm von ganzem Herzen.
-Was trauen Sie 1860 zu?
Ich traue ihnen zu, dass sie bis zum Schluss vorne mitspielen werden. Am Ende geht’s dann um ein paar Punkte, so ist diese Liga. Die Fans sind für 1860 jedenfalls ein Riesen-Pluspunkt, gerade wenn es mal nicht so läuft. Was ich bisher im Fernsehen gesehen habe, das war schon beeindruckend.
-Und wie geht’s aus am Samstag?
Ich rechne mit einem sehr intensiven Spiel, vielen Zweikämpfen, viel Tempo. Das wird eine enge Kiste. Und wir fahren bestimmt nicht nur wegen der Stimmung nach Giesing, sondern um was mitzunehmen.
Interview: Ludwig Krammer