München – Dejan Radonjic war früh im Audi Dome gestern. Das ist nichts Ungewöhnliches beim Trainer der Basketballer des Bayern. Es ist die Art, wie der Montenegriner seinen Job versteht. Frühmorgens bezieht er sein Büro. Spätabends zieht es ihn nach Vorbereitung, Trainingseinheiten und Analysen wieder nach Hause in seine Wohnung: „Trainer bist du 24 Stunden lang.“ Im Moment gilt das ganz besonders. Nur gut eine Woche ist es noch hin, dann steht mit dem Bundesligaauftakt in Ulm der erste Ernstfall auf dem Programm. „Wir haben ganz gut gearbeitet“, sagte er, „und trotzdem weißt du nicht, wo wir tatsächlich stehen.“
Die nächsten Tage sollen da weitere Aufschlüsse bringen. Beim Turnier in Zadar wird sich das neue Bayern-Team ab Freitag noch einmal probehalber zeigen. Die Gegner haben es in sich. Zunächst bekommen es Kapitän Danilo Barthel und Kollegen mit dem Starensemble von ZSKA Moskau (Fr., 20 Uhr) und dem chinesischen Vertreter Liaoning Flying Leopards (Sa., 18 Uhr) zu tun, ehe dann im Platzierungsspiel gegen Maccabi Tel Aviv, Olimpia Mailand oder Fenerbahce Istanbul noch einmal eine Saisongeneralprobe gegen einen Euroleague-Rivalen wartet. „Nach diesen Spielen“, sagte Dejan Radonjic, „wissen wir schon mehr.“
Das Problem ist: Sein Trainingsprogramm mag der 48-Jährige durchbekommen haben, wie er auch am Dienstag in einer Teampräsentation für die Dauerkarteninhaber des Klubs erklärte. Doch wenn man den Ernstfall probte, hatte Radonjic bislang nie sein komplettes Personal versammelt. Zuletzt beim Turnier in Bayreuth musste man ohne die als Nationalspieler gefragten Danilo Barthel, Vladimir Lucic, Stefan Jovic und Petteri Koponen sowie auch den angeschlagenen Maodo Lo auskommen. Die ganz normalen Realitäten einer Basketball-Saisonvorbereitung.
Unter diesen Umständen ist natürlich auch die Auswahl der letzten fehlenden Teile des Personalpuzzles nicht ganz einfach. Geschäftsführer Marko Pesic hatte vor einigen Wochen am Rande der Verabschiedung von Ex-Kapitän Anton Gavel ziemlich entspannt erklärt, man werde die Eindrücke der Testspiele abwarten und dann über die möglichen letzten Verpflichtungen befinden. Der Druck hat sich durch die neuerliche Langzeitverletzung von Routinier Milan Macvan erhöht. Am Dienstag griffen die Bayern lieber erstmals zu und nahmen den Serben Nemanja Dangubic unter Vertrag. Radonjic glaubt vor allem an die Perspektive des Mannes, den er bereits bei Roter Stern Belgrad drei Jahre lang trainierte. Dangubic hatte im Vorjahr wegen einer Sehnenverletzung im Fuß längere Zeit pausieren müssen. „Er kann sicher mehr, als er im Moment zeigt“, sagte Radonjic, „aber mit seiner Länge und seiner Athletik wird er er uns helfen.“
Und dabei wird es nicht bleiben. Mindestens einen Spieler werden die Bayern wohl noch an Bord holen. Alle Spuren gehen nach Übersee. Ein heißer Kandidat ist der US-amerikanische Forward Derick Williams. Auf der amerikanischen Version von Wikipedia ist der 428-malige NBA-Spieler (u.a. New York Knicks und Miami Heat) schon mehr als das. Der Eintrag wurde am Dienstagabend mit der Information ergänzt, Williams habe bereits einen Vertrag beim FC Bayern unterschrieben. Zuvor hatte der Branchendienst Eurohoops vermeldet, Williams’ Deal mit dem FC Bayern sei zumindest kurz vor dem Abschluss.
Der 27-Jährige hatte zuletzt eine Spielzeit in China, bei den Tianjin Gold Lions, verbracht und durfte sich dann dank eines 10-Tages-Vertrags noch für zwei Spiele bei den Los Angeles Lakers in der NBA versuchen.