Liverpool – Jürgen Klopp reichte Thomas Tuchel kühl die Hand, auf eine Umarmung wie vor dem Anpfiff verzichteten die deutschen Trainer nach 94 intensiven Minuten an der Anfield Road. Erst als das brodelnde Stadion wieder zur Ruhe gekommen war, gönnte sich Klopp doch noch einen Moment des Stolzes. „Was für ein Spiel. Die Entwicklung dieses Clubs ist wirklich toll“, sagte der 51-Jährige nach dem Last-Minute-Sieg des FC Liverpool gegen die Startruppe von Paris St. Germain zum Auftakt der Champions League.
„Klopp on top“ titelte die englische Tageszeitung The Sun, und tatsächlich ist Klopp drei Jahre nach seinem Wechsel auf die Insel obenauf. Denn das 3:2 (2:1) gegen PSG mit Neymar und Weltmeister Kylian Mbappe bescherte ihm nicht nur den Prestigesieg gegen seinen alten Bekannten Tuchel, sondern Liverpool auch den besten Saisonstart seit 57 Jahren. Sechs Siege in den ersten sechs Pflichtspielen hatten die Reds zuletzt 1961/62 gefeiert. Kein Wunder also, dass Klopp bestens gelaunt war. „Wenn Liverpool gegen PSG spielt, glaubt heute niemand mehr, dass wir chancenlos sind. Vor zwei, drei Jahren hätte noch jeder gesagt, das ist ein Berg, den wir nicht besteigen können“, sagte Klopp und fügte an: „Das haben wir uns durch das vergangene Jahr und unseren Start in diese Saison erarbeitet. Vielleicht auch durch unsere Spieler und den Fußball, den wir nun spielen.“
Sieg Nummer sechs hing allerdings am seidenen Faden, Liverpool verspielte nach starkem Beginn einen 2:0-Vorsprung. In der Nachspielzeit traf der eingewechselte Roberto Firmino dann doch noch. Wegen einer Augenverletzung war der Einsatz des Ex-Hoffenheimers lange Zeit offen geblieben. Firmino jubelte prompt, indem er die Hand vor das lädierte linke Auge hielt – eine Geste, die Klopp wenig später mit einem Grinsenfür die Fotografen wiederholte.
Weniger glücklich war derweil Tuchel, der in fließendem Französisch von einer unglücklichen Niederlage sprach. „Am Ende ist es einfach nur hart, das Ergebnis ist nicht logisch und korrekt. Aber Jürgen arbeitet mit dieser Mannschaft schon seit drei Jahren zusammen und spielt dieses starke Pressing“, sagte er. PSG-Neuzugang Thilo Kehrer saß auf der Bank, Nationalspieler Julian Draxler wurde erst in der 80. Minute eingewechselt. Erik Roos