Die Gold-Reiterin und ihre sensible Diva

von Redaktion

Von Michael Leitner

Zolling – Als hoffnungsvolles Talent des deutschen Springreitsports war sie in die USA aufgebrochen und als Superstar kehrte sie zurück: Simone Blum, 29 Jahre jung, aus der Gemeinde Zolling im Landkreis Freising, konnte sich nach ihrer Ankunft aus Charlotte gar nicht mehr vor Gratulanten retten. Gestern um 9.35 Uhr landete der Flieger am Flughafen in München, kurz darauf stand gleich das erste TV-Interview an. Denn Simone Blum hat einen Hype ausgelöst. In diesen magischen fünf Tagen bei den Weltreiterspielen in Tryon, in denen sie der deutschen Equipe erst Mannschaftsbronze sicherte und sich dann mit der Goldmedaille im Einzel selbst die Krone aufsetzte.

Besonders emotional war auch der Empfang auf dem heimischen Gut Eichenhof: Gut 30 Familienmitglieder und Freunde hatten die Minuten gezählt, bis ihre WM-Heldin endlich aus dem Auto stieg. Der Zollinger Musikverein spielte groß auf und geleitete die Weltmeisterin und ihren zukünftigen Mann Hans Günther Goskowitz durch die Allee bis zum Hof, wo sie sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug. So viele Glückwünsche, so viele Umarmungen – da musste Blum schon die eine oder andere Träne verdrücken.

Begonnen hatte diese Erfolgsgeschichte im Jahr 2014. Hans Günther Goskowitz, ihr Trainer, ihr Lebenspartner und für sie einfach „der wundervollste Mann der Welt“, hatte bei einem befreundeten Pferdehändler eine ganz besondere Fuchsstute entdeckt. Alice, damals sieben Jahre alt, eine temperamentvolle Diva, die Männer hasst und Mangos liebt.

Doch Blum schaffte es, zu ihrem sensiblen Gemüt durchzudringen. „Ich kann gut mit heißblütigen Pferden reiten. Mein Reitstil ist ja eher passiver – wir sind ein tolles Team geworden“, sagte sie im April und damit zu einer Zeit, als eine WM-Medaille in Tryon noch ein weit entfernter Traum war. Blum und Alice sind mittlerweile weit mehr als ein eingespieltes Team: Sie sind ein perfekt harmonierendes Paar, das den Sprung in die Weltspitze geschafft hat.

Die Stute gehört zur Familie – und das wird sich nicht auch ändern: „Ich werde sie nicht verkaufen“, sagte die Zollingerin gestern am Rande ihres Empfangs. Ganz egal, wie millionenschwer die Angebote auch sein mögen, die ihr auf den Tisch flattern werden. Blum hat sich zusammen mit Goskowitz selbstständig gemacht. Die beiden führen einen Sportstall mit 16 Pferden und können sich diesen kostenintensiven Spitzensport durch den Verkauf von anderen Reitpferden und natürlich durch Preisgelder finanzieren.

Alice, ihr wertvollstes Juwel, möchte sie niemals hergeben. „Ich werde mit ihr solange Turniere reiten, wie es geht“, versichert sie. Ein Pferd sei im Alter zwischen etwa neun und 15 Jahren in Hochform, sagt Blum. Die deutschen Reitsport-Fans dürfen sich also über Olympia 2020 in Tokio hinaus auf weitere glanzvolle Auftritte dieses Traumpaars freuen.

Stichwort Traumpaar: Das passt auch für Simone Blum und ihren Freund Hans Günther Goskowitz, die in vier Wochen heiraten werden. Er wird sogar ihren Namen annehmen – „ist ja auch kein schlechter“, feixte die 29-Jährige nach dem WM-Triumph von Tryon.

Nach all dem Trubel will sie in den kommenden Tagen und Wochen auch die Zeit finden, das Ganze ein wenig sacken zu lassen. Der nächste Wettkampf mit Alice steht erst Ende Oktober an. Wobei: Eine wichtige Reise hat Blum gleich noch am gestrigen Abend angetreten. Sie setzte sich in den Flieger nach Köln. Von dort ging es weiter nach Lüttich, wo heute Früh wiederum die Maschine mit ihrer Alice landete. „Ich hole sie ab, und dann geht es mit dem Lkw zurück nach Zolling“, erzählt Blum.

Dann ist also auch dieses Traumpaar wieder vereint: Simone Blum und ihre Stute, der sie so viel zu verdanken hat. Wie viel ihr dieses Pferd bedeutet, zeigte die 29-Jährige noch am Sonntag, nur wenige Stunden nach dem Siegesritt, mit einer Liebeserklärung auf ihrer Facebook-Seite: „Alice, diese Goldmedaille hast du dir mehr verdient als jeder andere. Dein Kampfgeist, deine Einstellung, deine Vorsicht und der Wille zu siegen, sind bei dir einmalig. Danke für einen Meilenstein unserer gemeinsamen Karriere.“

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