Unterhaching – Bevor es um das Derby gegen den TSV 1860 und um die Rückkehr zu Unterhaching geht, reist Markus Schwabl gedanklich noch mal zurück in den Nordenwesten von England. Eineinhalb Jahre kickte er für Fleetwood Town in der Dritten Liga, es war „eine supergute Erfahrung“, sagt er, „unbezahlbar, genial. Es war wichtig, aus der Komfortzone rauszukommen.“ Aber jetzt ist es daheim auch wieder schön. „Du siehst die Berge, die Seen, das ist dein Zuhause.“ Einer wie Schwabl sagt auch nicht solche Sätze wie, dass es im Derby nur drei Punkte gibt. „Ich bin ein Emotionsspieler und kann echt nicht behaupten, das wird ein normales Spiel.“
Nach einiger Zeit in der Fremde wirft man sich noch lieber für die Wurzeln in die Bresche. Im ersten Jahr machte Schwabl so gut wie jedes Spiel, Fleetwood wäre fast aufgestiegen. Das zweite Jahr lief etwas chaotischer, aber insgesamt gut 40 Spiele sind eine Marke. Die Unterschiede waren gravierend. „Allein das Wetter! Da ging jeden Tag der Wind, und an sechs Tagen in der Woche hat es geregnet“, so Schwabl, „dazu kann man die Esskultur nicht vergleichen. Übertragen essen die da jeden Tag eine Schweinshaxe, in so einem Blätterteigmantel, dazu Kartoffelbrei und Beilagen – wuid.“ Auch auf dem Platz ging es anders zu. „Für eine Gelbe Karte musst du da im Grunde einen umbringen. Der Schiedsrichter war auf dem Feld, aber Ellbogen, gestrecktes Bein – da macht der nichts. Die Engländer sind auch nicht so weinerlich, da schmeißt sich keiner hin, da bleibt keiner lange am Boden.“ So wird man selbst härter. „Ich bin nun robuster.“
Eigentlich wollte er nicht mehr zurück nach Haching. Auch Manfred Schwabl, der Präsident und Papa, sah das so. Als es aber klar war, dass er zurück nach Deutschland geht, rief ihn Claus Schromm an: Der Papa habe gesagt, er wolle nichts damit zu tun haben – aber als Coach dürfe er ja mal nachfragen. Es brauchte nicht viele Telefonate, um Schwabl zu überzeugen. „Ich fand die Idee immer cooler. Es ist unglaublich, was für eine Mannschaft zusammengewachsen ist, was an Infrastruktur aufgebaut wurde – das ist ein langfristiges Projekt. Da will ich ein Teil sein.“
Dass der Start überragend lief, kam „für mich nicht überraschend, weil man in jedem Training sieht, was hier für eine Qualität ist“. Zwar sei der Aufstieg kein Thema, die Saison habe erst angefangen und es müsste alles passen. „Von der Qualität her sind wir aber im oberen Tabellenbereich.“ Spielerisch müsste sich Haching sogar in England hinter Clubs wie Blackburn Rovers oder Wigan Athletic „nicht verstecken“. Nur die Physis wäre ein Problem: „In England hat jedes Team einen Mittelstürmer, der mindestens 1,90 Meter ist, dazu zwei absolute Ochsen als Innenverteidiger. Unsere zwei waren weit über 1,89 Meter und haben je 95 Kilo gewogen.“
Das Duell mit 1860 nun ist für Schwabl auch ein Wiedersehen mit seinem Ex-Club; in der Saison 2013/14 versuchte er es bei den Löwen. Die Zeit hat er in guter Erinnerung, obwohl es sportlich durchwachsen lief. „Ich habe nur vier Spiele gemacht, auf einer ungewohnten Position als linker Innenverteidiger. Wir hatten vier oder fünf Trainer, da ging es drunter und drüber, wie es bei 1860 leider so oft der Fall ist.“ Er bereue die Entscheidung aber „kein bisserl. Ich habe bis heute noch zu fünf, sechs Spielern Kontakt, das habe ich bei keinem anderen Verein gehabt.“
Schwabl kann die Rivalität gut einschätzen. „Die Fans mögen sich nicht so, das ist ja normal, wenn zwei Vereine so nah beieinander sind.“ Unter den Spielern sei das Verhältnis gut. „Bei uns werden Dominik Stahl und Stephan Hain extrem heiß sein, ihr Abschied bei 1860 lief nicht so optimal. Wobei aber beide sagen, sie gehen da jetzt nicht mit Rachegedanken ins Spiel. Dafür sind beide klar genug im Kopf.“ Würde nach einem Sieg noch auf der Wiesn gefeiert? Schwabl lacht. „Nein. Es wird spät, es ist eine englische Woche. Leider nix mit Weinzelt also.“ Vielleicht ergibt sich die Tage mal eine andere Möglichkeit, sich zu belohnen. Eine Schweinshaxe wäre eine Option. Dann aber ohne Blätterteig. ANDREAS WERNER