4. Spieltag in der Fußball-Bundesliga: ein Aktionsspieltag. 5. Spieltag in der Fußball-Bundesliga: Aktionsspieltag. Nur: Ein jeder von einer ganz anderen Seite. Am Wochenende warb der DFB für sein großes Projekt Bewerbung um die Europameisterschaft 2024; die Schiedsrichter trugen den „United by Football“-Schriftzug auf dem Rücken, die Teams ließen sich mit einer entsprechenden Bande fotografieren. Jetzt sind die Fanszenen dran. Mit einem stummen Protest gegen die Zustände im deutschen Fußball und den DFB als Hauptverantwortlichen.
20 Minuten Schweigen, wie wir sie gestern und heute in den Stadien erleb(t)en, sind ein gutes Instrumentarium. Ein besseres als die grobe „Fick dich DFB“-Kampagne vor über einem Jahr, die aber zumindest den Dialog in Gang brachte. Er ist nur wieder zum Erliegen gekommen. Dazu passt das demonstrative Schweigen. Und es weist sehr eindeutig darauf hin, was dem Fußball droht, wenn er seine Zuschauer vor Ort einmal vertrieben haben könnte.
Der Profifußball wurde entwickelt zu einer Inszenierung, bei der vor allem auf das Fernsehpublikum Rücksicht genommen wird. Klar, von den TV-Anstalten wird er finanziert, diese Einnahmen sind um ein Vielfaches höher als das, was klassisch an Eintrittsgeld hereinkommt. Doch muss der Stadionbesuch als Erlebnis so leiden? Unter einem intransparenten Videobeweis, unpassenden Anstoßzeiten? Und was man aus Fankreisen hört, häufen sich wieder die Fälle von kleinen Schikanen durch die Ordnungskräfte der Vereine.
Der Protest, wie er sich aktuell formiert, hat übergegriffen vom harten Kern der Ultras auf die Normal-Fans. Sie wissen, dass Kommerzialisierung und Profifußball Hand in Hand gehen müssen – doch reklamieren zurecht, dass die Vereine, DFL und DFB bereitwillig Grenzen überschritten haben. Der DFB hat sich die vergangenen Monate hinter seinen Megathemen WM 2018 und EM 2024 verschanzt. Ab Freitag sollte er, egal ob Gewinner oder Verlierer der UEFA-Wahl, wieder Kapazitäten haben.