Aussprache mit Özil in weiter Ferne

von Redaktion

Nyon – Die Mundwinkel und Wangen geraten in Bewegung bei Reinhard Grindel, wenn der Name Mesut Özil fällt. Der DFB-Präsident muss seine Selbstbeherrschungs-Prinzipien abrufen, die er in den Jahren als CDU-Politiker verinnerlicht hat. Man konnte ihm anmerken, dass er nach erfolgter Vergabe der Europameisterschaft 2024 an den DFB und Deutschland gerne abgerechnet hätte mit dem zurückgetretenen Nationalspieler. Özil hatte den letzten seiner in drei Teile gefassten Erklärung dem Verband und explizit dessen Boss Grindel gewidmet, auch einige Bundestagsreden hervorgekramt, die Grindel in schlechtem Licht erscheinen lassen. Der Rassismus-Vorwurf betraf namentlich den obersten Mann im DFB „und die, die ihm folgen“.

Die Meinungsmacht Özils (allein auf Twitter 23,4 Millionen Follower) war eine Gefahr für Grindel (4702 Twitter-Abonnenten) und die deutsche EM-Kampagne. Das dicke Minus – so wie auf türkischer Seite der Umgang mit den Menschenrechten. Das Abstimmungsergebnis von 12:4 (bei einer Enthaltung) zeigt indes, dass es in der UEFA-Exekutive keines war oder dass der Vorwurf von Özil als widerlegt gilt – jedenfalls war der wichtigere Faktor, den UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin als Sympathisanten auf der deutschen Seite zu haben. Der Slowene hat, wie der englische Verbandschef Dave Gill andeutete, für die Deutschen geworben.

Den Fall Özil würde Grindel gerne zu einem Abschluss bringen. Will er sich diese Option wahren, darf er jetzt nicht über einen leichten Tadel hinaus gehen. Für die Form des (Nicht-)Disputs. „Ich finde das nicht in Ordnung, dass hier jede Kommunikation verweigert wird“, erklärt Reinhard Grindel und bezieht sich auf die vor einigen Tagen erfolgten Versuche von Joachim Löw und Oliver Bierhoff, Özil beim FC Arsenal in London zu besuchen. „Sie waren ihm immer sehr verbunden. Der DFB hat Mesut Özil unheimlich viel verdanken – aber auch er Jogi Löw. Der Bundestrainer hat ihm immer den Rücken gestärkt.“

Solange Özil für seine langjährigen Vertrauten aus der sportlichen Führung nicht erreichbar ist wird es auch nicht zum Kontakt mit Grindel kommen. Der DFB-Präsident würde sich wünschen, „dass man über die erhebliche Kritik in seinem Statement auch ins Gespräch kommt“.  gük

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