Unterhaching – Eigentlich hat Manfred Schwabl während eines Spiels nur Augen für das Geschehen auf dem Rasen. Doch als sich gegen 1860 der Himmel über dem Sportpark rot und blau färbte, griff selbst der Hachinger Präsident zum Smartphone. „Ich mache sonst nie Fotos, diesmal schon“, erzählt er. „Das Derby lief bereits ein paar Minuten, ich hatte ein gutes Gefühl, dass die Veranstaltung passt, dann leuchtet der Himmel in den Farben der beiden Clubs – Gänsehaut.“
Das Firmament in den Farben der Kontrahenten passte in Schwabls Augen zum Gesamtereignis. Im Vorfeld gab es ein paar Scharmützel, doch die wurden galant ausbalanciert, „und am Mittwoch lief alles absolut vorbildlich“, findet Schwabl. Er selbst hatte sich vor dem Anpfiff wie so oft in den Biergarten der Vereinsgaststätte begeben, gerne spielt er da den Seismographen für die Stimmung unter den Stadionbesuchern. Fans der Hachinger saßen mit Anhängern der Löwen zusammen, „genau so soll es doch sein: Die ganze Veranstaltung war ein Musterbeispiel für ein Fußballfest zum Anfassen, absolut friedlich, das war vorbildlich und auch ein Zeichen, dass es noch an vielen Orten in Fußballdeutschland keine Entfremdung von der Basis gibt“, sagt Schwabl.
Auch dem Anhang der Löwen müsse man ein Kompliment machen, findet der Hachinger Clubchef. „Das hat nix damit zu tun, dass ich ein Herz für 1860 habe. Unsere Fans sind sowieso immer absolut sensationell und vorbildlich. Aber da viele die unschönen Bilder vom Abstieg der Löwen aus der Ersten Liga aus der Allianz Arena noch im Kopf haben, darf man ja auch mal sagen, wenn es anders abläuft. Die Löwen-Anhänger haben viel abbekommen, wir in Haching können aber den Hut ziehen. Da fällt uns kein Zacken raus, und das bedeutet dennoch nicht, dass es auf dem Platz nicht trotzdem heiß hergeht. Da war in diesem Derby viel Kampf drin, das muss auch so sein, wir sind ja hier nicht im Streichelzoo.“ Schwabl gefiel, wie die Fans die Rivalität zelebrierten, während sich unten an der Seitenline die Trainer Claus Schromm und Daniel Bierofka fetzten. „Emotionen gehören dazu, das macht Fußball aus – aber deshalb sollte es auf den Rängen trotzdem friedlich bleiben.“
Dass es im Block der Anhänger von 1860 eine gute halbe Stunde dauerte, ehe alle auf der Tribüne Platz fanden, lag im Übrigen an den 20 stillen Minuten der Löwen-Fans. Wegen des Protests gegen den DFB hatten sie ein Plakat am Zaun angebracht, daher aber die unteren Ränge nicht voll gefüllt, um etwas sehen zu können. Erst als das Transparent abgehängt wurde, rückten die Reihen langsam nach.
Für Haching geht es am heutigen Samstag in Großaspach weiter. Am Freitag bestätigte sich, dass Seppi Welzmüller mit einem Kreuzbandriss lange fehlen wird. Ebenso muss Marc Endres gesperrt passen. Auch Lucas Hufnagel ist körperlich nicht auf der Höhe. Am zehnten Spieltag werde die Tabelle erstmals relevant, hatte Schwabl gesagt. „Aber ich schaue jetzt trotzdem nicht drauf. Wir sind super im Soll, nur das zählt.“ Schöner als die Tabelle ist ja eh ein Blick in den Himmel.