DFB und Özil finden nicht zueinander

Geschiedene Leute

von Redaktion

Irgendwann taucht jeder Ex-Nationalspieler wieder in größerem Rahmen auf. Der DFB hat vor einigen Jahren einen Club der Nationalspieler gegründet, der einmal jährlich rund um ein Spiel zum Ehemaligen-Treffen zusammenkommt. Gerne wird den alten Helden auch angetragen, Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft (powered by Coca Cola) zu werden – quasi eine Verpflichtung, sich da in einem Stadion an einem DFB-Abend das Willkommenspaket übergeben zu lassen. Bei Mesut Özil wäre der Ehrenhalber-Beitritt eine konsequente Fortführung seiner Beziehung zu dieser vom DFB ins Leben gerufenen offiziellen Fan-Gruppierung, denn die hat ihn verlässlich zum „Nationalspieler des Jahres“ gewählt. Bei diesen Titeln ist Özil unumstrittener Rekordhalter; in manchen Jahren (wie 2014) hat man sich nur wundern können: Warum schon wieder Mesut? Andere haben doch mehr geglänzt.

Ob Mesut Özil noch einmal ein Spiel der Mannschaft besuchen wird, deren Stütze und wichtiger Botschafter er neun Jahre lang war? Derzeit kann man sich das nicht vorstellen. Nicht, dass er sich nicht freuen würde, denjenigen zu begegnen, mit denen er den großen Erfolg in Brasilien gefeiert hat – doch mit dem DFB wird Özil so schnell nichts zu tun haben wollen. Auch wenn man wie die meisten in der Bewertung der Erdogan-Geschichte nicht auf seiner Seite steht – sein Verletztsein über das, was folgte, kann man nachvollziehen. Der DFB hat Özil nicht hinreichend geschützt, als sich gewisse Kreise an ihm abarbeiteten. Das räumt auch Reinhard Grindel, der Verbandspräsident, ein.

Dass Mesut Özil sich einem neuerlichen Versuch der Wiederannäherung durch Joachim Löw entzogen hat, wirkt freilich schon albern – zumal ja auch Schnittmengen im Management bestehen. Womöglich hat Özil eine Begegnung, die sich vor ein paar Tagen in London angeboten hätte, auch vermieden, weil er fürchtete, doch noch instrumentalisiert zu werden. Eine Versöhnungsbotschaft hätte dem DFB sehr gut in die letzte Stufe der EM-Bewerbung gepasst und ein mögliches Argument der türkischen Seite (Rassismus) entkräftet. Doch auch mit einem weiter offenen Fall Özil hat der DFB klar gewonnen – und deshalb wird er die Sache nicht weiter verfolgen. Man ist geschieden. Ende.

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