Ein Hauch von Superstar

von Redaktion

Derrick Williams will sich bei Bayerns Basketballern für die Rückkehr in die NBA empfehlen

VON PATRICK REICHELT

München – Derrick Williams hüllte sich lieber in eine Trainingsjacke. An die herbstlichen deutschen Temperaturen hat sich der Kalifornier noch nicht so ganz gewöhnt. Doch auch das wird sich ändern, der Mann hat in München Großes vor. Selbst das Euroleague-Finale sieht er nicht als Utopie. „Wenn du nur an etwas glaubst, dann klappt es manchmal auch.“

Nun ja, die Sache hat ihre Grenzen. Das hat der 27-Jährige in seiner Kartiere auch schon kennen lernen müssen. 428 Spiele in der NBA hat er zwar zu Buche stehen. Schon alleine das macht ihn sicher zu einer der spektakulärsten Errungenschaften, die die Bundesliga je vorzuweisen hatte. Und doch ist auch Williams einer jener Profis, die selten so richtig drin waren in der besten Liga der Welt, aber eben auch nie vollends draußen.

Das zu ändern, ist letztlich das Hauptmotiv, das ihn zum FC Bayern trieb. Gerade über die Euroleague hat er sich bei alten Weggefährten wie Kevin Seraphim, Jason Thompson und Quincy Miller kundig gemacht. Sie haben ihm zugeredet. Der aggressive Spielstil könnte dem Forward mit der besonderen Vorliebe für den Kampf Mann gegen Mann am Ring liegen. Atmosphärisch sei Europas Königsklasse, ohnehin „einfach unglaublich.“

Vor allem aber ist die Euroleague jene Bühne, die die Klubbosse der NBA am genauesten im Blick haben. Und so wird diese Spielzeit zu einer Chance für beide Seiten. Williams hofft, dass ihm ein gutes Jahr in München vielleicht zu der Offerte in Übersee verhilft, auf die er in diesem Jahr vergeblich gewattet hatte. Und für die Bayern könnte er zu jenem Baustein werden, der datüber entscheidet ob diese Saison nun eine gute oder sogar eine sehr gute wird. Williams selbst würde im Klub gerne mehr hinterlassen als spektakuläre Körbe. „Ich gebe meine Erfahrungen hier gerne weiter“, sagte er.

Was das bedeuten kann, hat er selbst 2016/2017 erlebt. Die Cleveland Cavaliers hatten ihn da an Bord geholt. Nach Jahren bei NBA-Hinterbänklern wie Minnesota, Sacramento oder New York war er plötzlich Teil eines Spitzenteams. Williams spielte Seite an Seite mit Szenegrößen wie LeBron James, Kevin Love oder Kyrie Irving, Den Allstars täglich auf die Finger zu schauen, das ist etwas, was ihn weitergebracht hat. „Als junger Profi war ich ein bisschen führungslos“, erinnert sich Williams, „aber von diesen Spielern habe ich gelernt, dass Talent alleine noch keine Siege bringt. Du musst jeden Tag weiter hart an Dir arbeiten.“

Gut möglich, dass er nun für die Bayern ein Hauch von LeBron James ist. Ein Führungsspieler, an dem sich vor allem die jüngeren Profis orientieren können. „Ich weiß, dass viele Leute von mir jetzt wegen meiner Vergangenheit große Dinge erwarten“, sagte er, „aber ich sehe das nicht als Druck sondern als Herausforderung.“

Wann der bekennende Fußball-Freund („Ich kann es kaum erwarten, ein Spiel im Stadion zu sehen“) das auf dem Feld zeigen kann, bleibt abzuwarten. Trainer Dejan Radonjic will kurzfristig entscheiden, ob es schon für einen Einsatz am Sonntag (15 Uhr) im Pokal-Achtelfinale gegen Gießen reicht. Spätestens am kommenden Donnerstag beim Euroleague-Auftakt gegen Anadolu Istanbul (20.30 Uhr) ist Williams dann aber wohl mit von der Partie und soll seinem neuen Klub zu einer erfolgreichen Rückkehr in die Königsklasse verhelfen.

Zumindest an herbstlichen deutschen Wetter wird es nicht scheitern. Für de nächsten Tage sind in München allesamt Temperaturen jenseits der 20 Grad angesagt. Fast schon kalifornische Verhältnisse also.

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