Mannheim/München – Eine bezeichnende Szene, die sich am Freitagabend gegen Ende des zweiten Drittels in Mannheim vor dem Münchner Tor abspielte: Der Finne Tommi Huhtala hatte den Puck an den Pfosten gesetzt, er hoppelte die Linie entlang, Münchens Tormann Danny Aus den Birken versuchte, mit seinem Körper im Liegen Fläche zu machen und die Scheibe irgendwie zu sichern, Verteidiger Keith Aulie fegte mit dem Schläger durch den kleinen Torraum, in dem es enger zuging als im öffentlichen Großstadtnahverkehr zur Stoßzeit. Es wurde um die Zentimeter gerungen, es war ein enges Topspiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).
Entschieden war es erst nach der Maximaldauer. 4:4 (2:1, 1:2, 1:1, 0:0) stand es nach drei Dritteln plus Verlängerung aus Sicht des Gastgebers Mannheim, im Penaltyschießen traf für München der Ex-Mannheimer Frank Mauer zum 5:4, Danny Aus den Birken im Tor meisterte alle Versuche des Gegners. „Spielerisch hat’s Bock gemacht, das wünscht man sich für jedes Spieltag“, sagte Mauer.
Beide Großteams der Liga mussten auf je einen Routinier verzichten. Beim EHC München fiel Kapitän Michael Wolf aus, bei den Adlern Marcel Goc, der ehemalige deutsche NHL-Spieler, der sich von einer Brustmuskelverletzung erholt und so Gelegenheit hatte, bei „telekomsport“ eine Einschätzung abzugeben: „Du kannst München nie ausschalten – auch wenn du gut mitspielst und gegenhältst.“ Stimmt.
Die Adler bekamen es zu spüren, obwohl sie das bessere erste Drittel spielten. Und das 1:0 für sie einer der schönsten Treffer der jungen Saison war: Einen Instinkt-Pass von Luke Adam an drei überraschten Münchnern vorbei nahm Festerling direkt (3.). Doch auch das 1:1 von Jason Jaffray war ein Hingucker: Der Münchner pflückte einen Schuss von Patrick Hager mit der Kelle aus der Luft und zirkelte die Scheibe um Mannheims Goalie Dennis Endras herum (6.).
Es wurde ein rasantes Hin und Her. Phil Hungerecker sorgte dafür, dass Mannheim mit einem 2:1 (16.) in die erste Pause gehen konnte, aus der wiederum der EHC frischer herauskam und durch Trevor Parkes (auf Pass des jungen Viertreihen-Stürmers Maxi Daubner) auf 2:2 stellte. Mit Boyles 3:2 nach Kastners Scheibenklau gegen David Wolf von den Adlern schien der EHC das Spiel gekippt zu haben – dann gelang Tommi Huhtala 15 Sekunden vor Ende des zweiten Durchgangs das 3:3. Es war kein richtiger Schuss, der Puck flatterte ins kurze Eck des EHC-Tores. Ein Zeichen: Auch aus dem Nichts kann was passieren.
Fortsetzung im letzten Drittel: Hungereckers zweites Tor des Abends (49.) – 4:3; Frank Mauers erstes Tor der Saison (51.) – 4:4. Dazu auf beiden Seiten ein paar hochwertige Torwart-Saves. Das schrie nach einer Verlängerung. (torlos dank Adler Dennis Endras) und Penaltyschießen.
Heftige Emotionen wie noch im Frühjahr, als beide Teams sich eine wilde Halbfinalserie (4:1 für München) lieferten, gab es am Freitagabend in der nicht ausverkauften Mannheimer Arena (11 465 Zuschauer) nicht. Besagte Szene im Münchner Torraum, in dem sich eine Spielertraube bildete, endete in einer kurzen Hauerei. Markus Eisenschmid, einer von Mannheims prominenten Neuen (er kam aus der American Hockey League, hatte auch die letzte WM für Deutschland gespielt) holte sich im Nahkampf mit Keith Aulie eine blutige Nase und musste eine kurze Behandlungspause nehmen.