München – Die Saison hat gerade erst begonnen, aber für Max Eberl steht das Urteil über den teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte bereits vor dem siebten Spieltag mit dem Duell gegen den FC Bayern fest. Alassane Plea, sagte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, „bringt genau die Dinge ein, die wir gebraucht haben“.
Der Franzose, der im Somer für 23 Millionen Euro Ablöse von Nizza an den Niederrhein gewechselt ist, füllt eine Lücke, für die einst Lucien Favre gesorgt hat. Der ehemalige Trainer bevorzugte ein System ohne klassischen Mittelstürmer. Seine Nachfolger übernahmen dies – oder die verpflichteten Angreifer wie Luuk de Jong oder Josip Drmic hielten nicht, was man sich von ihnen erhoffte hatte. Deshalb gab es bei Gladbach seit 2011 keine echte Neun mehr.
Bei der Analyse am Ende der vergangenen Saison hat Trainer Dieter Hecking aber nun festgestellt, dass sich der Stil abgenutzt habe. „Wir sind ausrechenbar geworden“, sagte der 54-Jährige. Deshalb sei der Gedanke gereift, „eine neue Spielstratege reinzubringen“.
Eigentlich wollten die Gladbacher den 25-jährigen Niclas Füllkrug von Hannover 96 holen, aber der bekam keine Freigabe, also schauten sie sich in Europa um – und fanden in Südfrankreich den gleichaltrigen Plea. Der hatte sich ausgerechnet unter Fave bei OGC Nizza zu einem Top-Angreifer entwickelt, unter jenem Trainer also, der eigentlich gar nicht auf diese Art Stürmer steht. In der vergangenen Saison brachte es Plea in 35 Spielen auf 16 Treffer.
Er hätte im Sommer nach England gehen können, in die finanzkräftige Premier League, aber entschied sich für die Bundesliga, auch weil ihm sein ehemaliger Trainer dazu riet. „Lucien Favre hat mir gesagt, dass Borussia ein Verein ist, bei dem ich den nächsten Schritt machen kann“, sagte er bei der Vorstellung im Juli.
Plea erwies sich als Glücksgriff. Gegen Leverkusen und Augsburg saß er zunächst noch auf der Bank, seit dem dritten Spieltag ist er aus der Startelf aber nicht mehr wegzudenken. Vier Tore erzielte er in sechs Partien, bereitete einen Treffer vor und ist damit der beste Neuzugang in dieser Bundesliga-Saison. Hecking ist froh, endlich einen Stürmer zu haben, „der nicht lange überlegt und einfach draufhaut“. Und oft trifft.
Elisabeth Schlammerl