München – Vor einer Woche standen sie auf gegensätzlichen Seiten, im Länderspiel gegen Österreich am heutigen Samstag in Essen (14 Uhr/ZDF) werden Bayerns Kristin Demann und die Wolfsburgerin Sara Doorsuon aber wieder Seite an Seite verteidigen. Horst Hrubesch baut auf das Duo in der Zentrale, und das klappt gut. Die beiden teilen sich seit Jahren bei der Nationalelf ein Zimmer. In der WG herrscht blindes Vertrauen.
Nur frühmorgens trennen sich die Wege mitunter. Die 25-jährige Demann ist eine Frühaufsteherin, manchmal schleicht sie sich aus dem Zimmer, während die ein Jahr ältere Kollegin noch an der Matratze horcht. Die Münchnerin will am liebsten schon um 6.30 Uhr zum Frühstück, „das mache ich nicht mit“, sagt Doorsuon. „Sie steht aber oft mir zu Liebe auf“, sagt Demann. Das klingt nach Harmonie, 24 Stunden am Tag. Auch auf dem Platz finden sie sich im Schlaf.
„Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Doorsuon. „Sara ist die Schnellere, ich habe lieber den Ball am Fuß, die Kombination passt“, meint Demann. Abends auf dem Zimmer besprechen sie viele Aufgaben, auch wenn der Ball gerade nicht rollt. „Das ist sehr von Verlässlichkeit geprägt“, so Doorsuon. „Tini neben mir zu haben, gibt mir Sicherheit. Wir haben dadurch, dass wir auf einem Zimmer sind und so viel Zeit miteinander verbringen, ein starkes Gefühl bekommen, dass man sich aufeinander verlassen kann.“
Seit 2015 steht die WG, nur wenn eine wegen einer Verletzung passen muss, wird ein Bett frei. Zeitgleiche Auszeiten haben sie noch nicht geschafft, doch die Krankenakte glich sich neulich an; erst musste Demann an der Schulter operiert werden, dann erwischte es Doorsuon. „Da schrieb sie dann: ,Du musst mir doch nicht alles nachmachen’ – so ist das bei uns: Man kriegt auch mal einen Spruch.“ Ärger gab es aber nie, nicht mal beim Thema Ordnung, einem beliebten Zankapfel in WGs. „Ich bin ordentlich – Kristin ist nicht unordentlich“, meint Doorsuon diplomatisch. Die ordnungsliebende Wolfsburgerin hätte auch gerne bei der Polizei gearbeitet. „Wenn sie die Verbrecher so schnell jagt wie die Gegner auf dem Platz, hätten die ein hartes Leben“, sagt Demann, die ihrerseits Psychologie studiert. Man könne wunderbar mit ihr über alles reden, sagt Doorsuon, „in einer Freundschaft ist Ehrlichkeit entscheidend, dass man sich auch mal sagen kann, wenn etwas nicht so gut ist, ohne Angst haben zu müssen, dass die andere beleidigt ist. Und Verlässlichkeit steht bei mir ganz oben.“ Vertrauen sei ihr wichtig, ergänzt Demann, „dass man über alles reden kann, was man auf dem Herzen hat und man auf einer Wellenlänge liegt“.
Nur bei Doorsuons Spinnen-Phobie bröckelt die WG-Harmonie – zumindest, bis die Lage entschärft ist. „Da renne ich im Zimmer rum und kreische: ,Tini, mach’ was!’ Aber sie schaut mich dann wie ein Auto an: ,Ja, was soll ich jetzt machen?’ Sie hilft mir da nicht. Da muss ich jemand anderen holen“, erzählt Doorsuon. „Ich denke, sie will da cool verbergen, dass sie Spinnen auch nicht so gern mag. Sie geht da ganz clever vor. Das ist typisch: Tini ist ein ruhiger Mensch, das überträgt sich auch auf ihr Spiel. Es ist unmöglich, sie aus der Ruhe zu bringen.“
Nach den zwei letzten Länderspielen des Jahres wird Martina Voss-Tecklenburg für Hrubesch übernehmen. Demann und Doorsuon wollen sich auch bei ihr als eine WG präsentieren, auf die Verlass ist. „Ein Zimmer mit Kristin bei der WM in Frankreich? Ich sitze auf gepackten Koffern – wo soll ich unterschreiben?“, sagt Doorsuon mit einem Lachen. Dass man sich mit seinen Vereinen zwischendurch mal gegenüber steht, tut dem guten Verhältnis keinen Abbruch.