Frankfurt – Die Sekunden verrannen langsam, als die plötzlich niedergeschlagenen Frankfurter Europapokal-Helden Arm in Arm und mit gesenkten Köpfen auf dem Rasen standen. Um sie herum explodierte längst der tosende Jubel der Fans. Doch zum Feiern war in diesen Momenten nach dem überzeugenden 4:1 in der Europa League gegen Lazio Rom keinem Eintracht-Profi zumute. Lucas Torro weinte bittere Tränen.
„Dem Team wurde mitgeteilt, dass Lucas’ Bruder unerwartet verstorben ist“, sagte Trainer Adi Hütter, der seine Mannschaft am Donnerstagabend unmittelbar nach dem Schlusspfiff am Mittelkreis versammelt hatte: „Das ist eine traurige Nachricht, die unsere Feierfreude nach dem Spiel getrübt hat. Lucas wollte unbedingt dabei sein. Wir stützen ihn und sind in Gedanken bei ihm.“
Mittelfeldspieler Torro habe am Vormittag nur das Trainerteam informiert. „Ich habe ihn gefragt, ob er im Stande ist, zu spielen, ob er das möchte“, erzählte Hütter. Torro wollte, „und das war fußballerisch überragend. Wahnsinn“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic: „Wir hoffen nun sehr, dass Lucas genug Kraft hat. Wir als Verein sind für ihn da.“
Am Sonntag bei der TSG Hoffenheim wird der Spanier, der sich umgehend auf den Weg in die Heimat machte, fehlen. Hütter wollte am Freitag auch wegen der Tragödie nicht mehr viele Worte über die starke Leistung seines Teams am Vorabend verlieren. Er hat nur wenig Zeit, um den Fokus nach den vielen, gegensätzlichen Emotionen wieder auf die Bundesliga zu richten. „Das war ein toller Sieg mit einer tollen Stimmung. Aber es gibt auch die menschliche Seite“, sagte Bobic.
Danny da Costa, Filip Kostic und Luka Jovic hatten die Frankfurter für eine über weite Strecken berauschende Vorstellung belohnt. Marco Parolo erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich, der aber auch deshalb wertlos war, weil Roms Dusan Basta nach wiederholtem Foulspiel und sein Teamkollege Joaquin Correa nach hartem Einsteigen im Mittelfeld ) vom Platz flogen. „Wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt“,sagte Torhüter Kevin Trapp:
Sportlich herrschte große Zufriedenheit. Mit der Maximalausbeute von sechs Punkten in der Gruppe H fehlt den Hessen nicht mehr viel, um die nächste Runde zu erreichen. „Aber wir dürfen jetzt nicht durchdrehen“, sagte Trapp. Die Partie in Sinsheim werde „mindestens genauso intensiv. Und klar, auch da wollen wir gewinnen.“ Auch für Lucas Torro.