Frankfurt – Karl Mildenberger verdankt seine Wertschätzung als Boxchampion dem berühmtesten Athleten des Planeten: Muhammad Ali. Am 10. September 1966 lieferte „Milde“, wie er von seinen Fans liebevoll genannt wurde, im Frankfurter Waldstadion dem „Größten“ einen heroischen Kampf bis zum vorzeitigen Ende in der zwölften Runde. Sein Mut fand höchste Anerkennung. Die Presse feierte die Niederlage als „Mildenbergers größten Sieg“. Karl Mildenberger ist am Freitagnachmittag in einem Hospiz im Alter von 81 Jahren gestorben.
Was für ein Ereignis war diese erste Weltmeisterschaft im Schwergewicht in Deutschland: In der ersten Reihe hielten die Filmstars Ursula Andress und Jean-Paul Belmondo verliebt Händchen. Joe Louis und Max Schmeling steckten die Köpfe zusammen. Rund 30 000 Zuschauer skandierten „Milde, Milde“. Doch keiner glaubte ernsthaft daran, Karl Mildenberger könnte gegen Muhammad Ali zu einer Jahrhundert-Sensation fähig sein.
Maximal drei Runden hatten die Experten dem deutschen Herausforderer zugestanden. Deswegen war das Ereignis dem Fernsehen auch nicht die geforderte eine Million Mark wert. ARD und ZDF mussten draußen bleiben. Der krasse Außenseiter schaffte es bis zur zwölften Runde. Stehend zwar, aber unfähig, sich zu verteidigen, wie der englische Ringrichter fand. Teddy Waltham brach den Kampf zum Schutz der Gesundheit des Europameisters ab. Ab der sechsten Runde konnte Mildenberger auf dem fast zugeschwollenen linken Auge kaum noch sehen – was ihn nicht hinderte, weiterhin den Champion beherzt anzugreifen und mit seinen linken Körperschlägen auf die Leberpartie sogar in Verlegenheit zu bringen.
Angelo Dundee, Alis Trainer, erzählte noch Jahre später von den „Schwierigkeiten“, in die Ali geraten war. „Ich weiß, wie weh ihm diese Schläge getan haben und wie sehr sie ihn verwirrten.“ Mildenberger wurde wie ein Held gefeiert. 30 000 Pfälzer bereiteten in Kaiserslautern mit Transparenten „Wir grüßen unseren Vize-Weltmeister“ dem nun berühmten Bürger einen Empfang wie einst den 54er-Fußball-Weltmeister. Muhammad Ali stellte einmal seine persönliche Rangliste der zehn schwersten Kämpfe und härtesten Gegner auf. Karl Mildenberger nahm hinter Sonny Liston, Doug Jones, Joe Frazier und Ken Norton den ehrenvollen fünften Rang ein.
Mildenberger war zuletzt nach einer folgenschweren Knie-Operation auf den Rollstuhl angewiesen und in seinem Haus in Kaiserslautern-Hohenecken auf die hingebungsvolle Pflege seiner 16 Jahre jüngeren Frau Miriam.