FC Bayerns Formtief

Zwischentöne

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Ach, was wäre zum Beispiel der FC Schalke 04 froh, würde er so dastehen wie der FC Bayern im Moment. Zweiter von vorne also in der Tabelle und nicht Zweiter von hinten. Vermutlich würden fast alle Bundesliga-Vereine die Münchner Krise nehmen, nur nicht die Ausprägungen, die beim erfolgreichsten deutschen Club immer besonders groß sind – und oft auch überzogen.

Es ist eigentlich noch nichts passiert beim FC Bayern: Platz zwei in der Tabelle, nur einen Punkt hinter Dortmund, nicht fünf wie im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit, und international ist die Mannschaft auch noch auf Kurs. Aber in München beginnt die Krise nicht erst, wenn ein Saisonziel außer Reichweite ist, sondern schon beim ersten verpassten Sieg. Dann wird begonnen, alles in Frage zu stellen. Was gestern noch prima war, ist heute der Grund für das Schlamassel.

Niko Kovac hat nun feststellen müssen, dass gleiche Arbeit nicht unbedingt gleich bewertet wird. Bis vor knapp zwei Wochen war sein Training noch allseits gelobt worden, vor allem wegen der Disziplin und der Härte, wie Verantwortliche und Spieler bestätigten. Nun soll er plötzlich zu lasch sein. In den ersten Partien war er wegen seiner Rotation hofiert worden, auch weil er damit Einsatzzeiten im hochkarätig besetzten, aber eben auch überalterten Kader verteilen konnte. Nun werden gerade die Rochaden für den Knick in der Leistungskurve verantwortlich gemacht – untermauert durch eine überflüssige Aussage von Uli Hoeneß, die allerdings nur aus dem Kontext gerissen bedrohlich für Kovac klingt. Tatsächlich hat es Kovac mit seinem Wechselspiel einmal übertrieben, gegen den FC Augsburg, aber sonst eher dosiert rotiert und dabei ein gutes Händchen bewiesen mit Renato Sanches in Lissabon zum Beispiel.

James mag von Anfang an nicht glücklich über seine Einsatzzeiten gewesen sein, aber kann man daraus eine allgemeine Unzufriedenheit in der Mannschaft ableiten? In Frankfurt hatte Kovac den Ruf, die Kabine gut im Griff zu haben. Der Einwand, die Eintracht sei nun mal nicht mit dem FC Bayern zu vergleichen, stimmt nur bedingt. Zwar hatte er es dort nicht mit einem Star-Ensemble zu tun, aber mit einer schwierigen Multi-Kulti-Truppe.

Bei Bayern ist fast immer nur alles schwarz oder weiß. Die Farbpalette um ein paar Zwischentöne zu erweitern, würde den Roten gut tun.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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