Abgerutscht auf heiligem Rasen

von Redaktion

1860 zeigt beim 0:1 in Meppen seine wohl schlechteste Saisonleistung

VON CHRISTOPH FUCHS

Meppen – Von Christoph Fuchs Meppen – Als sich Sascha Mölders in der 85. Minute völlig alleingelassen im Meppener Strafraum in die Luft erhob, schien für einen Moment die Welt umgekehrt: Der TSV 1860, der in den letzten Wochen sehr verlässlich kurz vor dem Abpfiff Gegentore hinnehmen musste – diesmal womöglich mit Glück in der Schlussphase? Aber Stürmer Mölders köpfte den Ball am Tor vorbei, es blieb beim 1:0 (1:0) für den SV Meppen. Dass die Löwen nun ins Tabellenmittelfeld abrutschen (Platz 11), lag allerdings weniger an Pech, sondern vor allem daran, dass die Mannschaft von Daniel Bierofka die schlechteste Leistung der bisherigen Saison bot. „Die unbedingte Konsequenz habe ich heute nicht gesehen“, klagte der Trainer nach dem Spiel.

Dabei wäre gerade der Meppener Rasen eigentlich der denkbar beste Ort für die Trendwende gewesen. Eben dort gelang den Löwen 1994 am letzten Spieltag der Aufstieg in die Bundesliga. In der 3. Minute erzielte Stürmer Peter Pacult seinerzeit das spielentscheidende 1:0 – und die 3. Minute wurde auch an diesem Sonntag eine wegweisende, allerdings in die andere Richtung. Da nämlich musste Jan Mauersberger verletzt vom Platz. Der 33-Jährige, der den September vollständig auf der Ersatzbank verbracht hatte, war von Bierofka neu ins Team gebracht worden, um die zuletzt verunsicherte Defensiv-Reihe zu stabilisieren. Sechs Sekunden nach Anpfiff ging er nach einem Luftkampf mit dem Meppener Luka Tankulic zu Boden – und nach drei Minuten dann endgültig vom Feld (siehe auch unten).

Anstelle von Mauersberger schickte Bierofka Christian Köppel aufs Feld. So sehr dem 23-Jährigen sein Drittliga-Debüt zu gönnen war – die Routine und Präsenz, die von Mauersberger erhofft worden waren, konnte Köppel naturgemäß nicht ins Spiel bringen. Was sonst noch gefehlt hat? „Wir hätten mutiger sein müssen und cooler im Ballbesitz“, gab sich Verteidiger Herbert Paul nach dem Spiel selbstkritisch. Erst in der 25. Minute wurde der TSV 1860 erstmals gefährlich, als Sascha Mölders schon am Torwart vorbei war, dann aber bedrängt vom mitgelaufenen Verteidiger Vidovic ins Stolpern kam.

Die Gastgeber aus dem Emsland ließen mit deutlich limitierter Spielanlage zwar erkennen, warum sie im Tabellenkeller sind, waren aber trotzdem aktiver. Und so war es nicht unverdient, dass in der 42. Minute nach einem bemerkenswert unbeschatteten Spaziergang des Meppeners Von Haacke durch das gesamte Mittelfeld der Ball vom Fuß des Mauersberger-Vertreters Köppel zu Hassan Amin sprang, der aus kurzer Distanz das 1:0 besorgte.

Die Versuchsanordnung in der zweiten Halbzeit war dann eine für die Löwen eher ungewohnte: Es galt nicht, ein gutes Ergebnis endlich mal über die Zeit zu bringen, sondern es überhaupt erst herzustellen. Doch damit taten sie sich ebenso schwer. „Erst ab der 70. Minute haben wir wieder angefangen, nach vorne zu spielen“, diagnostizierte Bierofka danach. Richtig zwingend wurde es aber auch dann nur selten, obwohl die Meppener keinesfalls unbezwingbar wirkten.

Nach dem Schlusspfiff und vor der Länderspielpause stand deshalb die Frage im Raum, ob der 0:1-Endstand nun der Beleg ist für ein Kopfproblem der Löwen. Rechtsverteidiger Paul hielt dagegen: „Während dem Spiel hat man für solche Gedanken gar keine Zeit“, meinte er, schob nach einer kurzen Pause aber nach: „Jetzt im Bus denkt man darüber nach.“ Die Heimreise nach München könnte ihm ein wenig Kopfschmerzen bereitet haben.

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