Bayern mit zwei Gesichtern

von Redaktion

BBL-Pokal: Eine starke Halbzeit reicht Basketballern zum Sieg über Gießen

VON PATRICK REICHELT

München – Die erste Frage war schon vor dem ersten Anwurf. Nein, der neue Basketball-Pokalmodus mit K.o.-System von Runde eins alleine war nicht die große Zugnummer. Nicht am letzten Wiesn-Sonntag jedenfalls, bei angenehmen Temperaturen. Wohlwollend registrierte 3890 Zuschauer verloren sich im Audi Dome. Immerhin: Sie werden ihr Kommen nicht bereut haben. Sie durften nicht nur ein lockeres 106:92 (60:33) des FC Bayern über Gießen miterleben. Der Titelverteidiger ist also drin im Viertelfinale des reformierten Wettbewerbs. Am 22./23. Dezember treffen sich die besten Acht – mit wem es die Bayern zu tun bekommen, wird am Freitag in Berlin ausgelost.

Doch was vielleicht noch wichtiger ist: Der Anhang sah auch ein Bayern-Team, dessen Formkurve im Vergleich zu den ersten Auftritten, merklich nach oben zeigt. Wobei Trainer Dejan Radonjic den Auftritt seiner Profis zumindest mit gemischten Gefühlen sah. Eine Halbzeit lang hatten die schon ein bisschen Meisterzauber geliefert. Danach folgte aber ziemlich viel von der Berg- und Talfahrt, die schon die ersten Saisonauftritte gekennzeichnet hatte. „Wir brauchen mehr von den Minuten wie in der ersten Halbzeit“, forderte Radonjic.

Der Gradmesser ist in solchen Phasen ja meist der Zustand der Defensive. Vor dem Wechsel hatte die ganz ansprechend funktioniert. Die Bayern hatten die Gießener Schützen um Ex-Bayer und Center-Teddybär John Bryant (18 Punkte) ganz gut im Griff. Überschaubare 33 Punkte ließ man zu. Das sei dann schon viel von dem gewesen, was man am Donnerstag brauchen werde, befand Bryants Münchner Widerpart Devin Booker. Dann ist zum Euroleague-Auftakt Anadolu Istanbul im Audi Dome zu Gast. Nach dem Wechsel hätte man gerne so weitergemacht, „aber das hat nicht ganz geklappt.“

Tatsache ist: Gegen Istanbul werden die Bayern dann auch mehr Stabilität brauchen als bisher. Gießens Trainer Ingo Freyer wollte das unterschiedliche Bild dieses munteren Pokalduells ja gerne vor allem seinem Ensemble auf die Fahnen schreiben. „Ich glaube nicht, dass ein Team bewusst zurückschaltet“, sagt er. Für Booker war die, mit 46:59 verlorene zweite Halbzeit aber doch eher Kopfsache: „Wir sind ein bisschen bequem geworden.“

Doch es ist ja auch klar: Diese Bayern sind noch ein Team in der Entwicklung. Radonjic weist dieser Tage nicht umsonst immer wieder darauf hin, dass er bislang kaum mit dem kompletten Personal arbeiten konnte. Im Falle des Rücken-lädierten Nihad Djedovic wird sich das wohl bald ändern. Der Deutsch-Bosnier wird heute nach seiner Rückenblessur zumindest wieder individuell trainieren – sein Einsatz am Donnerstag ist ziemlich wahrscheinlich.

Wie es um Stareinkauf Derrick Williams steht, da wollte sich Bayern-Coach Radonjic derweil noch nicht festlegen. Gesundheitlich ist der US-Forward zwar wieder einigermaßen auf der Höhe. Ob er aber gegen Istanbul schon bereit für einen ersten Einsatz ist, bleibt abzuwarten. Williams Landsmann Booker sah die Sache indes weniger skeptisch: „Er wird bereit sein, ganz klar.“

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