Don Jackson kann auch sauer sein

von Redaktion

Kritischer EHC-Trainer nach 2:4 gegen Ingolstadt – Seidenberg-Transfer: Es geht um Monate

VON GÜNTER KLEIN

München – „Kevin Reich“, sagte Münchens Trainer Don Jackson, „war sehr stark. Ich bin stolz auf ihn.“ Wenigstens einer also, für den es ein Lob gab an diesem sonst unerfreulichen Nachmittag. Am Ersatztorhüter, der gemäß Rotationsprinzip mal wieder dran war, lag es nicht, dass der EHC das oberbayerische Derby in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verlor: 2:4 gegen den ERC Ingolstadt. Reich, Vertreter von Stammkeeper Danny Aus den Birken, schnappte auch nur drei Gegentreffer. Der vierte und letzte war – wie das vorkommt in der Schlussphase eines engen Spiels – ein „Empty Net Goal“. Don Jackson nahm Kevin Reich vom Eis. Co-Trainer McIlvane erklärte in einer Auszeit auf der Taktiktafel, was zu tun sei, um noch auszugleichen – und fünf Sekunden nach dem Bully setzte der Ingolstädter Mike Collins den Puck in Ruhe in den leeren Münchner Kasten. Endstand 2:4 statt 3:3 und Verlängerung.

„Ich bin sauer“, sagte Jackson, und seine Analyse wurde vom Wort „schlecht“ beherrscht. Schlechtes erstes und zweites Drittel, schlecht an der Scheibe, schlecht im Zweikampf. „Statt zu schießen, wurden andere Entscheidungen getroffen.“ Schlechte.

Der EHC München wirkte seltsam energielos in den ersten zwanzig Minuten (5:16 Torschüsse), ein fehlerhafter Aufbaupass von Ryan Button führte zum 0:1 durch David Elsner (7. Minute). Mangelhafte Abwehrarbeit leisteten die Münchner auch beim 0:2. Derek Joslin und Keith Aulie ließen sich von Tyler Kelleher, dem Ingolstädter mit dem roten Topscorer-Helm, vorführen (26.). Der EHC kam danach immer nur noch auf ein Tor ran (Button zum 1:2, Hager zum 2:3). Im letzten Drittel verdichtete Don Jackson seinen Kader, es kamen nur noch acht der elf Stürmer zum Einsatz, Mark Voakes fuhr Doppelschichten. Und hatte noch die Premium-Ausgleichschance (58.).

Ingolstadts Sieg ging in Ordnung. „Großartige Arbeitsethik“, attestierte Trainer Doug Shedden seinem Team, „am Freitag hat uns das leider gefehlt“. Nach der Heimniederlage gegen Augsburg (1:3) war Ingolstadt spürbar vom Wiedergutmachungsgedanken getrieben. Stark die Ex-Münchner: Jochen Reimer im Tor, Joachim Ramoser im Sturm; der Südtiroler legte eine der weiteren Ingolstädter Großchancen auf. „Man muss sich vor München nicht verstecken“, sagte er. EHC-Verteidiger Yannic Seidenberg lobte den Gegner für sein durchdachtes 1-3-1-System, „man hat uns nicht in den Forecheck kommen lassen..“

Beim EHC fehlten Wolf, Christensen und neu Torjäger Trevor Parkes mit einer wohl komplizierteren Schulterverletzung, zugezogen am Freitag beim 5:4-Verlängerungs-Sieg in Mannheim. m Dienstag im Champions-League-Spiel gegen Malmö werden darum einige Spieler aus der Salzburger Nachwuchsakademie zum Zug kommen. „Wir hatten aber genügend Spieler, um gegen Ingolstadt zu gewinnen“, meinte Jackson.

Wartet der EHC auf Dennis Seidenberg, der bei den New York Islanders (noch) keinen neuen Vertrag bekam? Bruder Yannic zum Stand der Dinge: „Dennis hat sich entschlossen, in New York mitzutrainieren die nächsten Wochen oder Monate.“ Klingt nicht nach bevorstehendem Wechsel,

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