Essen – Bereits die Vorbereitung auf den ersten Test mit Blick auf die WM im kommenden Jahr in Frankreich lief mit einem stattlich besuchten öffentlichen Training und einer unterhaltsamen Stippvisite beim Musical „Starlight Express“ bestens, und auch im Spiel gegen Österreich machten die DFB-Frauen dann eine gute Figur. Mit dem 3:1 war der scheidende Bundestrainer Horst Hrubesch vollauf zufrieden. „Wir hätten sicher noch mehr Tore schießen können, das muss ich den Mädels ankreiden“, sagte er, „aber sie haben wirklich klasse gespielt.“ Der 67-Jährige, seit März im Amt, feierte seinen sechsten Sieg in Serie.
Hrubesch stellte auf seiner persönlichen Abschiedstournee damit einen Rekord auf, der an alte Zeiten erinnerte, in denen die DFB-Frauen auf aller Welt der Maßstab gewesen sind. Einst unter Silvia Neid reihte man fünf Siege zum Dienstantritt der neuen Chefin aneinander; doch seit die langjährige Bundestrainerin aufgehört hat, kam die Nationalelf zusehends ins Rudern. Bis zur WM im kommenden Jahr ist noch viel zu tun, um wieder salonfähig zu werden. Martina Voss-Tecklenburg übernimmt Ende des Jahres, aktuell sitzt sie mit der Schweiz noch nach. Zum Start der WM-Playoffs gab es ein 2:2 in Belgien.
Den Sieg der DFB-Frauen stellten Kapitänin Alexandra Popp, Linda Dallmann und Lena Schlüter sicher, die Bayern-Spielerinnen gingen diesmal leer aus. Insgesamt standen sechs Münchnerinnen auf dem Platz; auf deutscher Seite spielten Sara Däbritz und Lina Magull durch, eingewechselt wurden Leonie Maier und Nicole Rolser, bei Austria stand Manuela Zinsberger im Tor, vor ihr verteidigte Carina Wenninger. Die langjährige Bayern-Spielerin Viktoria Schnaderbeck, eigentlich Kapitän der Österreicherinnen, kuriert bei ihrem neuen Club Arsenal eine Knieverletzung aus. Austria hatte bei der EM 2016 mit dem Erreichen des Halbfinals für Furore gesorgt.
Hrubesch richtete in Essen seinen Blick schon auf die ohne ihn stattfindende WM, indem er Lisa Schmitz, Johanna Elsig, Felicitas Rauch und Giulia Gwinn in der ersten Elf aufbot – keine aus diesem Quartett hatte bisher mehr als zehn Länderspiele. Am 10. November gegen Italien und drei Tage später gegen Spanien stehen die letzten beiden Tests in diesem Jahr an. „Man sieht, was das Team für eine Klasse hat“, sagte Hrubesch: „Ich bin hochzufrieden, auch mit den jungen Spielerinnen. Wenn ich heute mal eine Spielerin rauspicke: Gwinn war sensationell.“ ANDREAS WERNER