Herbstzeit für Trainer

Bosse im Dilemma

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Wenn sich draußen der Sommer verabschiedet und der Wind auffrischt, wird es oft auch für die ersten Bundesliga-Trainer ungemütlich – und der eine oder andere übersteht den Herbststurm nicht. In den vergangenen fünf Jahren passierten die ersten Entlassungen stets in der zweiten Septemberhälfte, im vergangenen Jahr erwischte es in diesem Zeitraum Andries Jonker in Wolfsburg und Carlo Ancelotti bei Bayern, in der Saison davor Viktor Skripnik bei Werder Bremen. So gesehen ist die Bundesliga dieses Mal spät dran.

Tayfun Korkuts Rauswurf in Stuttgart ist keine Überraschung beim Blick auf die Tabelle und vor allem auf die schwachen Leistungen. Schon eher, dass es – kaum war der zweite Spieltag vorbei – bereits die ersten Spekulationen gab. Nicht um Korkut, sondern Domenico Tedesco und Heiko Herrlich schienen um ihre Job bangen zu müssen. Der eine hat Schalke in der vergangenen Saison in die Champions League geführt, der andere Leverkusen in die Europa League – aber was zählen vergangene Meriten schon in dieser Branche? Beide Vereine sind aber offenbar noch immer überzeugt, dass der richtige Mann auf der Bank sitzt. Es wäre allerdings auf die jeweiligen Club-Bosse zurückgefallen, wenn sie sich der öffentlichen Kritik angeschlossen und die ersten Spieltage zum Maßstab genommen hätten.

Denn Trainerentlassungen sind oft auch ein Eingeständnis des Scheiterns. Die Personalwahl und die Strategie wird nicht alleine vom Chefcoach festgelegt – außer es handelt sich vielleicht um Pep Guardiola, Felix Magath oder Louis van Gaal. In der Regel findet beides in enger Abstimmung mit dem Sportdirektor statt – oder gleich mit der gesamten Club-Führung wie beim FC Bayern.

Der deutsche Rekordmeister verschwendet deshalb im Moment höchstens einen Mini-Gedanken daran, ob sie in Niko Kovac tatsächlich den idealen Mann nach München geholt haben. Vor einem halben Jahr begründeten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß Seite an Seite ihre Entscheidung, warum Kovac die bessere Lösung sei als ein Thomas Tuchel oder Ralph Hasenhüttl.

Mit der aktuellen Kaderzusammenstellung hat Kovac so gut wie nichts zu tun, höchstens mit dem zu wenig komplexen Spielsystem. Noch darf er daran feilen, in der Hoffnung, dass sich das Blatt wendet – wie bei Tedesco und Schalke.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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