Ein Fußball-Trainer heute muss vieles können, im Grunde nahe am Universalgenie sein. Auf jeden Fall sollte er ein großer Taktiker sein – auch den eigenen Werdegang betreffend. Bei Markus Weinzierl fiel auf, dass er während der Phase seiner Beschäftigungslosigkeit vieles absagte oder sich durch ein öffentliches Statement früh aus dem Kreis der Kandidaten nahm. Er wurde also weder Trainer bei Werder Bremen noch Eintracht Frankfurt, auch nicht Mönchengladbach (das allerdings nicht wechselte, sondern so treu zu Dieter Hecking stand wie dieser zu seinem Friseur) oder Ingolstadt (trotz der verlockenden Nähe zu seinem Hauptwohnsitz Straubing). Österreichischer Nationaltrainer, das hat sich auch nicht ergeben – wobei Weinzierl da schon schwach geworden wäre, wenn Schalke damals eine Vertragsauflösung gebilligt hätte. Es war allerdings eh zu früh für dieses Austragsstüberl.
Weinzierl hat gewartet und bekommt nun eine gute neue Chance in der Bundesliga. VfB Stuttgart, da kann es ja fast nur aufwärtsgehen. Die Truppe hat einen 2014er- und einen 2018er-Weltmeister (Zieler, Pavard), gestandene Routine (Gomez, Castro, Beck, Badstuber, Gentner) und international zusammengekauftes Talent. Sie war ja auch Rückrunden-Vizemeister, und die deutsche Schwarmintelligenz hatte sie vor der Saison auf einen Europa-League-Platz getippt. Es ist keine Mannschaft, mit der man absteigt. Und: Weinzierl kommt mit besserer Reputation als Tayfun Korkut im Winter. Wir erinnern uns: Ihm traute der VfB-Fan gar nichts zu.
Der gute Teil von Markus Weinzierls Ruf resultiert aus seinen vier Jahren beim FC Augsburg. Da hat er was aufgebaut, das danach nicht gleich zusammengebrochen ist, sondern gehalten hat. Das Fachliche war nicht das Problem bei ihm. Eher die menschliche Seite: Vordergründig verbindlich, aber doch misstrauisch. Und nicht so kommunikationsstark, wie man im Umgang mit jungen Menschen sein sollte. Auf Schalke ist er genau daran gescheitert. Selten reden Spieler so offensiv so schlecht wie die Schalker (Naldo, Konoplyanka) über einen ehemaligen Trainer.
In Stuttgart trifft Weinzierl zwei Ex-Schalker wieder (Badstuber, Aogo), die er kaum hat spielen lassen, auch der Ex-Augsburger Thommy war kein Weinzierl-Fan. Da braucht es einen neuen Anfang in den Beziehungen. Doch auch das muss ein Trainer können.
Guenter.Klein@ovb.net