München – Die Uhr in der Münchner Olympia-Eishalle hat eine Besonderheit. Wenn die letzte Minute heruntertickt, dann werden die Zehntelsekunden angezeigt. Der EHC München vollbrachte gestern Abend ein Kunststück. Sein finaler Angriff im Champions-Hockey-League-Match gegen die Malmö Redhawks verlief so, dass Jakob Mayenschein nach Pass von Kony Abeltshauser den Puck genau in dem Moment über die Linie brachte, als die Restspielzeit 0,0 Sekunden betrug. Die Schiedsrichter schauten das zur Sicherheit noch in der Aufzeichnung an, konnten dann bestätigen: Tor. Es war der 3:2-Siegtreffer für den EHC München.
Spektakuläres Finale einer Partie, die vor allem eine Trainingseinheit auf hohem Niveau war, bei dem die Mannschaften um Körperlosigkeit bemüht waren. Schließlich hatten sich die Deutschen wie die Schweden bereits für das Achtelfinale in der CHL qualifiziert, das Ergebnis war in diesem verbleibenden vorletzten Gruppenspiel nicht so wichtig. Testosteron kam nur einmal ins Spiel. Nach einem Check des Münchners Daryl Boyle gegen einen schwedischen Kopf in der 27. Minute. Kleine Rudelbildung.
Wie angekündigt: Da am Donnerstag schon wieder DEL ist, noch dazu in Bremerhaven am anderen Ende der Republik, nahm Don Jackson einige seiner intensivbelasteten Cracks gestern Abend in der CHL aus dem Kader. Ohnehin wegen Verletzungen fehlten Michael Wolf, Mads Christensen und Trevor Parkes, eine Pause gab der EHC-Trainer Mark Voakes, Derek Joslin, Jason Jaffray und Torhüter Danny Aus den Birken. München kann sich das mit dem Ausbildungsbetrieb Salzburg/Liefering und dem Kooperationspartner SC Riessersee im Rücken leisten. Aus dem Talentefundus entnahm der EHC neben den ja schon halbwegs regelmäßig für ihn spielenden Andy Eder, Jakob Mayenschein und Maxi Daubner noch Daniel Fießinger (zweiter Tormann), Emil Quaas, Justin Schütz, Dennis Lobach und Tobi Eder.
Der jüngere der Eder-Brüder ist ein Beispiel dafür, wie schwer es fällt, in den Profibereich vorzudringen. Seit der Saison 2015/16 gehört er offiziell zum EHC-Kader, trug sich nach der ersten Deutschen Meisterschaft 2016 auch ins Goldene Buch der Stadt München ein – und war doch weit entfernt von der DEL. Er spielte in Salzburg und Riessersee, erst gestern Abend hat man den Mittelstürmer einmal richtig auf Münchner Eis sehen können.
Klar, dass die immer noch reichlich vorhandenen Stammspieler das Gerüst des Teams bildeten, doch Jackson versuchte, so aufzustellen, dass in jeder Reihe einer der Jüngeren war. Überwiegend blieb die Jugend – die detaillierte Statistik der Champions League mit Einzeleiszeiterfassung zeigte es auf – im einstelligen Minutenbereich. Jakob Mayenschein aber war sehr glücklich, er erzielte zwei Tore, das dritte ging auf Maxi Kastner.
Traurig die Zuschauerzahl: 1970. Damit war die Olympia-Eishalle nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. Aber es kam halt alles zusammen: Dienstagstermin, Unwichtigkeit des Spiels, die ehrliche Ankündigung, einige Stars draußen zu lassen – und das Format Champions League, das erst ab der K.o.-Runde interessant wird. Im November.