Kailua – Die Bühne für den emotionalen Höhepunkt mit einem Heiratsantrag im Flitterwochenparadies hatte sich Patrick Lange selbst bereitet. Nach seinem zweiten WM-Triumph in der Fabelzeit von 7:52:39 Stunden mobilisierte der Hesse die letzten noch verbliebenen Kräfte, kniete sich im Ziel auf Hawaii vor seine völlig verdutzte Freundin Julia Hofmann und hielt um ihre Hand an. „Ich bin losgelaufen und habe mir gedacht: Das mach ich heute. Das hat mich wirklich angetrieben“, sagte Lange. Mit seinem erneuten WM-Gewinn setzte er die Ära deutscher Hawaii-Sieger seit 2014 fort. Der zweitplatzierte Belgier Bart Aernouts lag über vier Minuten zurück, der Brite David McNamee (3.) kam mit über acht Minuten Verspätung ins Ziel.
Wie schon vor einem Jahr spielte Lange, 32, nach den 3,86 km Schwimmen im Pazifik und 180,2 km auf dem Rad bei den finalen 42,2 km seine läuferische Ausnahmeklasse aus. „Es ist einfach Wahnsinn“, sagte er gerührt von diesem 13. Oktober, der in seiner Vita den Spitzenplatz einnehmen wird. „Der großartigste Tag meines Lebens“, meinte Lange.
„Das war mega“, meinte der Australier Cameron Wurf, den Lange bei Kilometer 16 auf der Laufstrecke überholte und damit erstmals in Führung ging. Der Rest war ein Triumphlauf für Lange, der seit seinem Titelgewinn vor einem Jahr kein großes Rennen mehr gewonnen hatte. Wie schon bei seinem damaligen Streckenrekord (8:01:40) passte auch diesmal letztlich wieder alles, die letzten Meter verlangsamte Lange das Tempo und genoss die Augenblicke mit Deutschland-Fahne in der Hand.
Dass der Rückstand Langes auf die Top-Radfahrer an der Spitze nicht zu groß geworden war, hatte er einem anderen Landsmann zu verdanken. Und das wusste Lange. „Geilste Sau der Welt, ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Er hat mich nach vorne gefahren“, lobte Lange seinen Teamkollegen Andreas Dreitz, 29. Der am Ende auf Rang 13 platzierte Lichtenfelser war es, der Tempo machte in der Verfolger-Gruppe. Der Plan der Konkurrenz, Lange auf den 180,2 km bei diesmal fast windlosen Bedingungen derart unter Druck zu setzen, dass er auch mehr arbeiten und Energie fürs Laufen verbrauchen müsste, war wieder nicht aufgegangen.
Das Maß der Dinge war somit auch diesmal Lange, der unwiderstehlich dem Ziel entgegenrannte, wo er für seine jetzige Verlobte die größte Überraschung parat hatte. „Absolut nichts“, habe sie vom Heiratsantrag gewusst, versicherte sie. „Normalerweise soll man den Vater auch vorher fragen“, sagte Lange und grinste: „Ich hoffe, das geht klar.“
Dass womöglich in Zukunft auch bei den Frauen der erste deutsche Sieg fällig werden könnte, deutete Anne Haug, 35, an, selbst wenn sie mit der Schampus-Flasche auf dem Podium so ihre Probleme hatte. „Hart, es war sehr, sehr, sehr hart“, sagte die Bayreutherin zu ihrem großartigen Hawaii-Debüt. Sie musste sich bei ihrem zweiten Ironman nur der Seriensiegerin Daniela Ryf (Schweiz) bei deren viertem Triumph in Folge (trotz einer schmerzhaften Feuerquallenattacke) und der Britin Lucy Charles geschlagen geben.
In 8:41:58 Stunden gelang Haug, die 2012 und 2016 auf der kurzen Distanz bei Olympia gestartet war, mit dem Bronzerang das, was zuletzt Sandra Wallenhorst 2008 aus deutscher Sicht geschafft hatte. „Ich freu mich nur noch auf ein Sofa, ein bisschen Schlaf, eine Cola und Pizza“, sagte Haug.