Es lief die 80. Minute in der Johan-Cruyff-Arena von Amsterdam, als die Fans in Oranje begannen, eine Welle anstoßen. „La Ola“ schwappt seit den 80er Jahren in Stadien über die Ränge, wenn es mal besonders rund läuft – die Niederländer kamen schon lange nicht mehr in Versuchung. Entsprechend dauerte es, ehe die Sache in Schwung kam. Erst mit dem dritten Anlauf rollte die Welle los. Oranje hat lange gebraucht, um insgesamt wieder in Schwung zu kommen. Nun feiert man eine neue niederländische Welle. Joachim Löw (Foto) bewirkt unterdessen mit seinen trotzigen Ansichten, dass sich keine Parallelen zur DFB-Auswahl ergeben. Die neue deutsche Welle wird, Stand jetzt, ein musikalisches Phänomen aus den 80ern bleiben, als Nena mit „99 Luftballons“ sogar in Großbritannien Nummer 1 wurde. Der Bundestrainer soll nach der WM-Blamage zugänglicher geworden sein, hieß es aus DFB-Kreisen, seine Selbstkasteiung in München („ich war arrogant“) schien das zu belegen – doch auf dem Platz schlägt sich davon nichts nieder. In den Niederlanden wirkte der 58-Jährige nun eher wieder abgehoben. Ob er bei den Problemen von Oranje in den letzten Jahren und der aktuellen Krise seines Teams Gemeinsamkeiten erkenne, wurde er vor der Partie gefragt. Nein, sagte er, „denn wir haben uns ja immer für alle großen Turniere qualifiziert“. Er meinte das locker, scherzhaft. Von Vorteil war es aber nicht. „Völlig losgelöst“, heißt es im Song „Major Tom“, einem Musterstück der Neuen Deutschen Welle. Es hallt im Fall Löw bedenklich schräg nach.
Texte: Andreas Werner / Foto: reuters