Und 2019 das Familien-Liebesduell

von Redaktion

Sieger des München Marathon und ihre Geschichten: „Größer als New York“

VON GÜNTER KLEIN

München – Andreas Straßner und Susanne Schreindl, die Sieger des München Marathon, er in 2:27:58 Stunden, sie in 2:49:38, erzählten einander von den Krämpfen, die sie auf der Strecke erlebt hatten. Wie der Schmerz in die Waden fuhr, wie die Muskeln zumachten und man es bis in die Arme spürte. Weil es so warm war. Zumindest gefühlt (tatsächlich: 14 Grad).

„So einen Herbst hatten wir in den 20 Jahren, die ich das mache, noch nicht“, sagte Organisator Gernot Weigl und erzählte: „Es gibt ein Veranstalterwetter, bei dem man sich über einen weiß-blauen Himmel und viele Zuschauer freut. Und es gibt ein Läuferwetter. Wer auf der Strecke ist, hat’s eher kühl.“ Da herrschte am Sonntag keine Deckungsgleichheit, Susanne Schreindl, 27, von der LG Passau, bekannte: „Die letzten sieben, acht Kilometer habe ich wirklich gelitten.“ Ihr Trainer Günter Zahn, Olympia-Fackelläufer von 1972, sagte: „Wir haben ab Kilometer 30 Tempo rausgenommen, denn wir wussten um den Vorsprung.“

In ihrem zweiten Marathon brachte Schreindl den Sieg sicher ins Olympiastadion – vor Maren Tritschler (Basel/2:52:29) und Vorjahressiegerin und Lokalmatadorin Bianca Meyer (2:56:06), die auch Trainerin ist, kurz vor dem Start noch das Warm-up ihrer Läufergruppe leitete und sich im Ziel freute, dass sie einen Unter-drei-Stunden-Finisher hatte.

Andreas Straßner, 39, war zum ersten Mal in München dabei. „Ich laufe ja schon einige Jahre“, erzählte der Franke vom Brombachsee, „als ich gerade 10 Kilometer geschafft habe als Kind, wollte ich mit den älteren Läufern unseres Vereins mal nach München zum Marathon. Etwa ein Vierteljahrhundert später konnte sich Straßner, (Bestzeit 2:18 Stunden) und heuer mit 76,7 Kilometern weltweit Zweiter (unter 100 000 Teilnehmern) beim Wings for Life-Lauf, alle Ziele erfüllen: „Starten, finishen, gewinnen. Für einen Bayern ist München größer als der New York Marathon.“ Er lief vorne weg, ließ sich nicht anmerken, dass es ihm auch mal schlecht ging: „Tarnen und täuschen. Über den Bordfunk des Begleitfahrzeugs habe ich gehört, welchen Vorsprung ich habe.“ Am Ende 3:39 Minuten auf den Amerikaner T-Roy Brown.

Susanne Schreindl wurde 40 km von ihrem Mann Tobias, Deutscher Meister im Marathon 2014, begleitet. Andreas Straßner meinte dazu: „Das muss Liebe sein.“ Seine Freundin Julia Galuschka wurde Fünfte im Halbmarathon. „Nächstes Jahr planen wir, in München zusammen im Marathon zu starten.“ Die Schreindls vielleicht auch. Das wäre das große Familienliebesduell über 42,195 Kilometer.

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