München – Die Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bot nach zehn Spieltagen ein ungewöhnliches Bild: Meister EHC München war aus den fixen Playoff-Plätzen gerutscht und nur noch Siebter. Ein Fall von Abwärtstrend. Am Sonntag in Runde elf haben die Münchner ihm halbwegs Einhalt geboten. Sie besiegten die Düsseldorfer EG, die vor dieser Saison Geld in die Hand genommen, den Kader prominent bestückt hat und stark in die Saison gestartet ist, nach Verlängerung 5:4 (1:1, 3:2, 0:1, 1:0).
Warum sich der EHC gerade nicht leicht tut in der DEL, erschließt sich durch den Spielberichtsbogen mit der Mannschaftsaufstellung. Es gibt drei Langzeitverletzte (Trevor Parkes, Michael Wolf, Mads Christensen), mit Justin Shugg kam nach der 2:6-Niederlage in Bremerhaven ein weiterer Stammspieler auf die Ausfallliste. Auf einmal bekommen die Jungen ihre Spiele: Erstmals in der DEL dabei der 18-jährige Justin Schütz (Salzburg II/Riessersee), und gefordert auch Tobias Eder, der sogar noch ein Spiel mehr hatte als die anderen. Sein Programm war: am Dienstag Champions League gegen Malmö, am Donnerstag DEL-Einsatz mit dem EHC in Bremerhaven, 24 Stunden später lief er für den SC Riessersee in der Oberliga-Partie in Rosenheim auf, am Sonntag trug er wieder das München-Trikot gegen die DEG. Bemerkenswert, dass er in dieser Hatz noch die Gelegenheit hatte, am Freitagmittag bei den Eltern in Bad Tölz ein Mahl einnehmen zu können.
Trainer Don Jackson hat, da es seine Spieler querbeet erwischt hat, die Sturmreihen neu zusammenstellen müssen, von der Eingespieltheit der ersten Wochen ist zwangläufig nichts mehr geblieben. Man merkt der Mannschaft an, dass sie derzeit über nur eingeschränkte Automatismen verfügt.
Um Chancen zu erzwingen, ist das Team des dreimaligen Meisters immer noch gut genug aufgestellt – ein Problem ist aber die Abwehrarbeit. Die Düsseldorfer schossen ihre Tore, weil beim EHC in der Defensive halbherzig gearbeitet wurde (Boyle vor dem 0:1) und man sich Scheiben im Aufbau abnehmen lässt.
Es ging vor 3680 Zuschauern in der Olympia-Eishalle munter hin und her. Aus Sicht Münchens: 0:1, 1:1, 2:1, 2:2, 2:3, 3:3, 4:3. 4:4. Ärgerlich, dass der Ausgleich erst in der 56. Minute fiel – durch den Ex-Münchner Alexander Barta.
Wichtig für den EHC war Maxi Kastners Treffer zum 3:3 (32.) in einer doppelten Überzahl – eine Sekunde, bevor die erste Düsseldorfer Strafe ablief. Und Kastner hatte auch vier Minuten später den „scoring touch“, als er DEG-Keeper Fredrik Pettersson Wentzel abermals überwand. Gut im Spiel war auch Matt Stajan, der Mann mit der immensen NHL-Erfahrung. Tor zum 1:1, Assists beim dritten und vierten Treffer – das war seine Bilanz am Sonntag. In der regulären Spielzeit. Stajan wurde dann beim Spiel Drei gegen drei in der Verlängerung zum entscheidenden Spieler: Er traf zum 5:4. Unterm Strich standen für ihn vier Scorerpunkte – mehr als in den zehn Spielen zuvor zusammen.
Auch Frank Mauer bestätigte seinen persönlichen Aufwärtstrend. Er hatte einige Partien im vierten Sturm mit wenig Eiszeit zubringen müssen, nun aber punktete er im sechsten Match in Folge, traf listig zum 2:1 (23.).