Umkämpfte Madonna: Sprintlegende Armin Harry vor Gericht

von Redaktion

Goldmedaillen-Sieger von Rom 1960 will endlich als Besitzer eines da-Vinci-Gemäldes anerkannt werden

München – Armin Hary (81), deutscher Topsprinter des vergangenen Jahrhunderts, plagen finanzielle Sorgen. Seit 30 Jahren kämpft der Olympiasieger von 1960 um die Besitzansprüche an einem Gemälde. Dieses stammt vermutlich von Leonardo da Vinci. Gestern musste Hary vor dem Oberlandesgericht (OLG) München antreten. Er hatte einen Galeristen (78) verklagt, der sich auch als Besitzer der „Verkündigungs-Madonna“ sieht.

Das Gemälde, ein Fragment, sollte Harys Altersversorgung sein. Er bekam es Mitte der 80er-Jahre angeblich von einem Galeristen (78) überschrieben – quasi als Schuldschein. 1989 erkannte ein Restaurator, dass es sich bei dem Bild um die verschwundene „unbefleckte“ Madonna von Leonardo da Vinci handelt. „Ich wollte das Bild ursprünglich eigentlich gar nicht“, erzählte Hary schmunzelnd am Rande des Prozesses, „ich brauchte das Geld“, erinnerte sich der Mann, der 1960 als Erster die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief. Der geschätzte heutige Wert schwankt zwischen fünf und 500 Millionen. Doch ein endgültiges Urteil wird erst nächstes Jahr fallen. Die Vorsitzende Richterin legte den beiden Männern nahe, einen Vergleich zu schließen.

Für Hary könnte es bis dahin finanziell knapp werden. Deshalb will er seine beiden Goldmedaillen über 100 Meter und 4×100 Meter samt Olympia-Equipment wie Laufschuhen, Trikot und Startblöcken verkaufen. Es gebe zwei Interessenten, erklärte Hary. Einen deutschen Käufer und einen Abnehmer aus Amerika. Doch Hary ringt momentan mit sich, wem er seine Golderinnerungen überlassen soll. „Der Amerikaner hat mir einen Termin bis 15. Dezember gesetzt“, sagte Hary gestern. Sollte er seine Medaillen bis dato nicht anderwertig verkaufen, gehen sie nach Amerika. Dort sollen sie auf Wechsel-Ausstellungen gezeigt werden.

Hary weiß seine Medaillen dort gut aufgehoben, doch lieber würde er sie natürlich im eigenen Land behalten. Vermutlich zahlen aber die Amerikaner besser. Über Geld wollte er gestern jedoch nicht reden. Schon früher legte er sein Vermögen gerne in Gemälden an. „Ich habe gekauft, was meiner Frau gefiel“, behauptete er. Beim späteren Verkauf einiger Bilder durch besagten Galeristen, will Hary um die Verkaufssumme von 390 000 Euro geprellt worden sein. Zur Sicherheit erhielt er Ansprüche an der Madonna. Sie befindet sich im Depot der Alten Pinakothek in München. Die Anwälte könnten nun ein Geschäft zwischen dem Sprintgenie und dem Kunstliebhaber aushandeln. Angedacht ist ein Verkauf an den Galeristen, sofern es einen Sponsor gibt. Beim Auktionshaus Christie’s in New York erzielte im November 2017 das Bild „Salvator Mundi“ von da Vinci einen Preis von 450 Millionen Dollar.

Harys da Vinci ist möglicherweise nicht komplett vom Meister des 15. Jahrhunderts fertiggestellt worden, sondern vielleicht von seinen Schülern oder seiner Werkstätte. ANGELA WALSER

Artikel 1 von 11