Zwei Teams, zwei Ligen, ein System

von Redaktion

Warum dem EHC München nicht bange ist, Riesserseer Spieler einzusetzen

VON GÜNTER KLEIN

München – Harold Kreis, der als Spieler (einer der ersten Deutschkanadier) und später auch Trainer für große Eishockey-Geschichte steht, ist wieder in der DEL, er coacht nach einigen Jahren in der Schweiz seit dieser Saison die Düsseldorfer EG. „Willkommen zurück, Harry“, sagte Münchens Trainer Don Jackson. Als sie sich verabschiedeten, meinte Kreis: „Ach Don, jedes Mal, wenn wir uns sehen, muss ich dir gratulieren.“ Es war Kreis (in der DEL lange Trainer in Mannheim und auch schon mal in Düsseldorf) also wieder passiert: Er hatte ein Spiel gegen ein Jackson-Team abgeben müssen. Wobei: Das 4:5 nach Verlängerung aus Sicht der DEG war verkraftbar: „Bei einer Niederlage rede ich eigentlich ungern davon: Aber dass wir einen Punkt aus München mitnehmen, ist ein Geschenk“, so Kreis.

„Mir war schon nach den ersten Wechseln klar, wie es laufen wird“, sagte Harold Kreis, „München ist hart und aggressiv aus den Startblöcken gekommen.“ Gut war für den DEG-Trainer nur, „dass wir, egal wie es läuft, nicht die Segel einziehen“. So kam Düsseldorf noch in die Verlängerung – was für den EHC München bedeutete: Er verpasste den glatten Sieg, den Dreier. Von elf DEL-Partien hat der Meister nur vier innerhalb von sechzig Minuten gewonnen. Deshalb steht er auf Platz sieben – was nicht seinen Ansprüchen gerecht wird. Doch mit 41 Spieltagen, die man in der Hauptrunde noch vor sich hat, ist Don Jackson gelassen.

An einem Wochenende sind sechs Punkte zu vergeben, das ist genau der Abstand zu Platz eins, zu den Adlern Mannheim. Das Tabellenbild, demzufolge der EHC derzeit sogar nur Bayerns vierte Kraft (hinter Ingolstadt, Straubing, Augsburg) ist, kann sich also schnell verändern.

Der EHC steckt halt gerade in einer kritischen Phase, weil es ihn mit Verletzungen erwischt hat: Michael Wolf, Mads Christensen und Trevor Parkes fehlen länger, teils bis ins nächste Kalenderjahr, Justin Shugg fiel nun auch noch aus, „aber das ist nur für kurze Zeit“, so Jackson. Nach dem Overtime-Sieg gegen Düsseldorf sagte er: „Ich bin stolz auf die jungen Spieler. Sie haben bewiesen, dass Eiszeit in der Oberliga wichtig ist.“ Das betraf die auch für Riessersee gemeldeten Kevin Reich, Jakob Mayenschein und Tobias Eder; Justin Schütz lief erst einmal für den SCR auf, sein Stammteam ist Salzburg II.

Beim Thema Förderlizenzspieler sieht sich der EHC München offensichtlich unter Druck, sein Modell der Kooperation mit einem Oberligisten statt branchenüblich einem DEL2-Club zu rechtfertigen. Das Argument des EHC ist die tragende Rolle, die seine Leute beim SC Riessersee einnehmen. Trainer Toni Söderholm stammt aus dem Fundus Münchner Fachkräfte, und Andy, der ältere der Eder-Brüder, befindet nach dreieinhalb Jahren eigener Pendler-Erfahrung, dass man beim SCR gut vorbereitet werde: „Riessersee und München spielen das gleiche System.“ Daher sei nicht entscheidend, „ob in München 18- oder 30-Jährige spielen“.

Mit einigen Teenagern jedenfalls geht der EHC in diese Woche, die heute für ihn den letzten Champions-League-Gruppenauftritt in Malmö und zwei Tage später, am Donnerstag schon, das nächste DEL-Match vorsieht. Gegen Schwenningen. Letzter der Liga mit drei Punkten. Aber einem Gegentor weniger als der EHC.

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