von Redaktion

„Ich habe vom Springen geträumt“

Nach zweijähriger Verletzungspause steht Severin Freund vor der Rückkehr

VON PATRICK REICHELT

München – In den vergangenen Monaten hat Severin Freund ja so manche Lehren gezogen. Zum Beispiel die, dass Schmerz manchmal etwas Befreiendes sein kann. Das zweimal operierte Knie des Skispringers hat sich im Aufbautraining immer wieder bemerkbar gemacht. Es tat weh, wurde blau. „Da wusste ich, in diesem Moment hat sich etwas gelöst“, sagte Freund, „irgendwie habe ich mich darüber gefreut.“

Man ahnt: Die Freuden sind bei Freund etwas anders. Das muss wahrscheinlich so sein in Freunds Situation. Zwei Jahre lang hatte der Münchner nach zwei Kreuzbandrissen pausieren müssen. Bei normalem Verlauf wird er sich in der, in knapp einem Monat beginnenden neuen Saison mal wieder im Weltcup versuchen. Was herauskommen kommen könnte, vermag auch Freund selbst nicht zu sagen: „Fit zu sein, ist das eine, es im Wettkampf rüberzubringen das andere.“

Für den 30-Jährigen, der in seiner Zwangspause immerhin sein Studium des Internationalen Managements beendete, ist es in diesen Tagen ja schon als Erfolg zu werten, überhaupt wieder an der Schwelle zu stehen. Schritt für Schritt hat er sich wieder an herangetastet. Über 120 Sprünge mit kleinen Skiern auf kleinen Schanzen. Und es ist eine Besonderheit, dass er den Antrieb nie verloren hat. „Ich habe gleich am Anfang gemerkt, dass noch etwas da ist“, sagte er. Die Liebe zu der Disziplin, die nunmehr 24 Jahre lang sein Leben bestimmt, hat ihn angetrieben. Sie hat ihn sogar bis in den Schlaf hinein verfolgt, bis er sich zuletzt wieder auf einer Großschanze versuchen konnte: „Ich habe weit öfter davon geträumt als normal.“

Tage, die durch sein privates Glück erleichtert worden sein durfte. Anfang des Monats kam Töchterchen Johanna zur Welt. „Etwas Größeres kannst du kaum erleben“, sagte Freund. Man könnte nun ja vermuten, dass der erste Nachwuchs bei ihm die Gewichte verschiebt. Aber dafür brennt das Feuer in ihm noch zu stark, „Es ist jetzt nicht so, dass ich traurig bin, wenn wir irgendwohin reisen“, verriet er, „aber ich freue mich umso mehr, wieder zurück zu kommen.“

Und man kann sich vorstellen, dass der Mann, der Weltmeister und Olympiasieger war, die Rückkehr mit Ambitionen angeht. Wobei Freunds Ziele eher in der zweiten Saisonhälfte liegen. Spätestens bei der Weltmeisterschaft im Februar in Seefeld will er sich wieder in Topform präsentieren.

Die Titelkämpfe fast vor der Haustüre sollen zumindest ein kleiner Ersatz für die Skiflug-WM in Oberstdorf sein (Freund: „Auf die hatte ich über mehrere Winter hingefiebert“) , die er wegen seiner Verletzung verpasst hatte. „In solchen Orten gibt es eine große Tradition und das spürt man intensiv“, sagte er, „das wird großartig.“

Das Feuer brennt noch zu stark

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