Bierofka fordert feurige Löwen

von Redaktion

Gegen Braunschweig will der Coach die zuletzt vermisste Leidenschaft sehen – Lorenz fraglich

VON ULI KELLNER

München – Wie in 2018 üblich strahlte die Sonne wärmend vom Himmel, ganz München erfreute sich eines weiteren Spätsommertages. Ganz München? Nein! Im Bezirk Harlaching/Giesing schienen negative Schwingungen in der Luft zu liegen. Die Bosse des FC Bayern ließen kräftig Dampf ab – und auch zwei Straßen weiter herrschte das Gegenteil von guter Laune. Daniel Bieroka stellte sich vor die Sponsorenwand, absolvierte den Pflichttermin vor der Presse ohne den Anflug eines Lächelns und brummte in seinen Vollbart hinein: „Ich will wieder eine Mannschaft sehen, die Feuer hat, die sich 90 Minuten zerreißt. Gegen Meppen hat mir das komplett gefehlt.“ Die Länderspielpause haben die Löwen folglich dazu genutzt, sich ihre alten Tugenden in Erinnerungen zu rufen.

Eine Trendwende soll her – und zumindest auf dem Papier könnte die Aufgabe an diesem Samstag kaum dankbarer sein: Heimspiel gegen den Tabellenletzten, der nur eines seiner elf Saisonspiele gewonnen hat. Das Problem dabei: Braunschweig ist nicht irgendein Schlusslicht. Sondern ein Team, das Bierofka als schlafenden Riesen ansieht. Was der prominente Gegner gerade erlebe, sei ja „der Klassiker“ im Fußball, sagte der 1860-Coach: „Ein Team steigt ab, es gibt einen Umbruch – und viele junge Spieler, die sich erst finden und an die neue Liga gewöhnen müssen.“ Aber, ahnt er: „Wenn die Braunschweiger irgendwann die PS, die sie definitiv haben, auf den Platz bringen, dann haben sie auf jeden Fall eine Mannschaft, die vorne mitspielen kann.“

Ungünstig für 1860 ist, dass auch der Gegner nicht untätig gewesen ist in der Länderspielpause. Die Eintracht hat den Trainer gewechselt, den unglücklichen Henrik Pedersen beurlaubt und den erfahrenen André Schubert an Land gezogen. Hat man im Herbst ja häufig, dass Gegner mit neuen Hoffnungsträgern antreten. Auch Großaspach, der Heimspielgegner acht Tage später, hat gerade den Trainer gewechselt – Bierofka bringt die Problematik auf den Punkt: „Wir wissen nicht, mit welchem Personal der Gegner aufläuft, in welcher Grundordnung. Das macht das Leben für uns garantiert nicht einfacher.“

Details zu Grundordnung, Taktik und Personal will Bierofka folglich nicht verraten. Schubert habe ihm ja auch keine Hinweise gegeben. „So gesehen sind wir pari“, sagte der 1860-Coach, der auch offen lässt, ob er den zuletzt angeschlagenen Simon Lorenz (Adduktoren) einsetzen wird. Laufen ging zuletzt schon wieder, das Schlagen langer Bälle sollte noch im Geheimtraining geprobt werden. Als Ersatz stünde Aaron Berzel parat. Jan Mauersberger scheidet als Alternative aus; der Abwehrroutinier hat sich schwer im Gesicht verletzt und wird am Samstag nur im Stadion sein, um dem BR als Halbzeitgast zu dienen.

Dass der Druck höher ist als zuletzt, verriet nicht nur Bierofkas Sauertopf-Miene, sondern auch die Tatsache, dass er erstmals seit langem eine Hotelübernachtung in der eigenen Stadt anordnete. „Ich will, dass die Spieler zusammen essen, am Abend miteinander reden, sich miteinander beschäftigen“, sagte er: „Es wird am Samstag ganz entscheidend haben, dass wir eine Mannschaft auf dem Platz haben.“

Mindestens so entscheidend dürfte sein, dass sich Bierofkas Mannen nicht zu viel Druck auferlegen. „Ganz wichtig ist, dass die Jungs ihren Rucksack wegschmeißen und sich ausleben auf dem Platz.“ So wie beim letzten Heimsieg Ende August (2:0 gegen Cottbus). Damals, als noch Hochsommer war in der Stadt – und das auch in Giesing zu spüren war.

Artikel 1 von 11