Die Bosse in Rage

von Redaktion

FC Bayern mit geharnischter Medienschelte: „Polemisch, hämisch, widerlich“

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Als die Führungsriege des FC Bayern um kurz nach 12 Uhr mittags zum gemeinsamen Auftritt erschien, hat Uli Hoeneß schon einmal die Richtung des Vortrags vorgegeben. „Schlaumeier“ sagte der Präsident mit Blick in die erste Stuhlreihe. Wen genau er damit meinte, blieb offen, im Zweifel gleich mehrere.

Der Inhalt der Pressekonferenz, die Hoeneß zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Sportchef Hasan Salihamidzic am Freitag gab, war ein anderer als vermutet. Es ging vordergründig nicht darum, Trainer Niko Kovac zu schützen, sondern um Medienschelte. „Hämisch und polemisch“ nannte Rummenigge Teile der Berichterstattung, Hoeneß fand sie „respektlos und widerlich“. In die Kritik schlossen die Verantwortlichen aber auch sogenannte Experten ein, vor allem jene, wie der Vorstandschef erläuterte, „die mal bei diesem Club Fußball gespielt haben“.

Die Münchner kündigten an, „dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen“. Sie wollen sich mit Unterlassungserklärungen und Gegendarstellungen wehren. „Es scheint offensichtlich, dass man sich überhaupt keine Gedanken mehr macht über Werte wie Würde und Anstand“, so Rummenigge. „Mit dem heutigen Tag werden wir unsere Spieler, Trainer und den Club schützen.“

Dass dies aber offenbar nur für aktuelle nicht für ehemalige Spieler gilt, vermittelte kurz danach Hoeneß, als er über Juan Bernat referierte. Der im August zu Paris St. Germain abgegebene Außenverteidiger habe in der Champions League gegen den FC Sevilla im vergangenen April „einen Scheißdreck“ gespielt. Danach sei die Entscheidung gefallen, ihn zu verkaufen. Dass er vor ein paar Wochen ein Foul von Leverkusens Spieler Karim Bellarabi in der Partie gegen Bayern als „geisteskrank“ bezeichnet hat, hält Hoeneß im Nachhinein immerhin für falsch.

Mit dem Ausbruch haben die Bayern-Bosse erreicht, dass das Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg in den Hintergrund geriet –- und damit die sportliche Formschwäche der Münchner. Fast nebenbei ließ Salihamidzic wissen, dass man überrascht gewesen sei von dem Leistungsabfall. Dabei rechtfertigte er sich gleich noch dafür, sich nach dem vierten sieglosen Spiel, der Niederlage gegen Mönchengladbach, nicht sofort hinter den Trainer gestellt zu haben. „Niko steht bei uns nicht infrage. Er weiß, dass wir ihn unterstützen. Die Bundesliga ist keine Dschungelshow. Da muss man sich nicht öffentlich Küsschen geben.“

Kovac scheint keine Zweifel zu haben, dass die Bayern in ihm noch den richtigen Trainer sehen. Und was das Umfeld und die Öffentlichkeit denken, hat ihn nach eigener Aussage zuletzt nicht erreicht. Der frühere Manager von Bayer Leverkusen, Reiner Calmund, habe ihm einst den Rat gegeben, in schwierigen Zeiten nicht Zeitung zu lesen. Und daran hat er sich angeblich gehalten in den vergangenen Wochen. „Ich fühle mich gut. Es ist ein sehr entspanntes Leben“, ohne Fußball-Lektüre, meint er.

Während die Bayern-Chefs an ihrem Ablenkungsmanöver bastelten, hat sich Kovac Gedanken über den Grund der Formschwäche gemacht und die letzten Spiele analysiert. „Wir müssen nicht viel verändern, außer das Ergebnis“, stellte er fest. Von ehemaligen Trainern habe er gelernt, dass man „nicht alles auf den Kopf stellen“ dürfe, „weil das purer Aktionismus ist“.

Die Personalrochaden verteidigte der Bayern-Trainer ebenso wie sein Spielkonzept „Wir müssen unsere Fehler hinten minimieren und vorne die Chancen nützen“, lautet sein einfach klingendes Rezept, um gegen Wolfsburg „den Schlüssel“ zu finden. Zwar vermisst Kovac im Umgang mit dem FC Bayern die richtige Balance. „Es ist jetzt sicher nicht so schwarz, wie es gemalt wird, und es war zuvor auch nicht so rosig wie dargestellt.“ Aber er weiß: „Wenn der FC Bayern keinen Erfolg hat, ist das ein Weltwunder.“ Eines mit manchmal absurden Folgen.

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