Aufruhr beim FC Bayern

Gefährliche Ablenkung

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Wenn sich der FC Bayern in einer ungewöhnlichen Situation befindet – und bei vier Spielen ohne Sieg ist die Situation ungewöhnlich bei den Münchner – , greift bei den Granden ein altbekannter Mechanismus: Sie versuchen oft, mit aufsehenerregenden Maßnahmen zu versuchen, vom eigentlichen Problem abzulenken. Nur so ist die Attacke gegen Medienvertreter zu verstehen.

Es mag in den vergangenen Wochen nicht immer alles seriös gewesen sein, was über die Krise des FC Bayern berichtet wurde, erst recht überzogen, aber auch Uli Hoeneß macht sich manchmal keine großen Gedanken über den von den Medien eingeforderten Respekt und die Würde des Menschen. Mit deftigen Worten bedachte er vor kurzem noch Mesut Özil („spielt seit Jahren Dreck“) oder Karim Bellarabis Foul („geisteskrank) und im Rahmen der Pressekonferenz am Freitag sprach er despektierlich über Ex-Spieler Juan Bernat.

Die Bosse nehmen billigend in Kauf, dass sie für den FC Bayern ihren Ruf aufs Spiel setzen Es dürfte ihnen egal sein, dass sie in den Sozialen Medien einen Shitstorm ausgelöst haben, erst recht, dass der Deutsche Journalisten-Verband dazu aufgerufen hat, nicht vor dem Rekordmeister zu kuschen. Ein bisschen nachdenklich dürfte allerdings stimmen, dass auf dem Facebook-Account des Vereins, wo normalerweise die eingefleischten Roten stets alles gut finden, was Hoeneß und Co. unternehmen, die Entrüstung bei den eigenen Fans groß ist. Außerdem sollte man vorsichtig sein mit derart geharnischten Vorwürfen in Zeiten, in denen vor allem in populistischen Gruppierungen Medienschelte in Mode ist. Die Bayern könnten befeuern, was sie auf gar keinen Fall befeuern wollen.

Manchmal sahen sich die Münchner mit ihren Ablenkungsmanövern bestätigt, weil sich am Ende alles so entwickelte, wie sie es sich vorgestellt hatten. Wenn die Mannschaft am Samstag in Wolfsburg gewinnt und die Negativserie beendet, kann es damit zu tun haben, dass die Bosse die Medien in den Senkel gestellt haben, um so Mannschaft und Trainer zu schützen. Es muss es aber nicht.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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