Aus „RISS“

Und wie war’s mit Doping?

von Redaktion

Als DDR-Spitzenathlet wie Zehnkämpfer Christian Schenk hatte man klare Vorgaben: Die Westdeutschen waren der Klassenfeind. Man grüßte Sportler aus der Bundesrepublik nicht, gratulierte ihnen nicht. Der Grundsatz lautete „Im Krieg reichst du deinem Gegner auch nicht die Hand.“ Sympathien durfte man aber für Österreich hegen, auch für Schweden (Björn Borg, der Tennsspieler, war im Osten Deutschlands ein Held). Zu Sportlern aus sozialistischen Bruderländern war man ausgesprochen freundlich.

In die Bredouille geriet Schenk bei der Leichtathletik-WM 1987 in Rom. Nach seinem Wettkampf lag er am Hotelpool, da kam West-Hochspringer Carlo Thränhardt und fragte: „Was dagegen, Langer, wenn ich mich zu dir setze?“ Thränhardt hatte die Hochsprungleistung von Schenk imponiert. Das unverfängliche Gespräch wurde von drei DDR-Offiziellen beobachtet. Zurück in Rostock, drohte Schenks Verein, der SC Empor, mit Konsequenzen im Wiederholungsfall.

Gefürchtet war der 400-Meter-Lauf in der Halle mit der Spezialanlage „Elektrischer Hase“. Lichter entlang der Bahn gaben das Tempo vor, das man zu laufen hatte. Viele Athleten hatten Angst, dass ihnen die Lichter davonlaufen und brachen, wenn sie das Programm zehnmal mit nur einer Minute Pause absolvieren mussten, zusammen. „Heute würde man so eine Trainingsmethode vermutlich Körperverletzung nennen.“ Es gab auch noch eine Variante fürs Höhentrainingslager in Bulgarien: Da führte die Piste 400 Meter bergauf. Durch den Schnee.

Schenk bekam den Klassiker „Oral-Turinabol“, aber nur in Phasen des Konditions- und Krafttrainings. Ging es um Technik, wirkte das Mittel kontraproduktiv. Gereicht wurde auch Dynvital – ein angebliches Vitaminpräparat, aber durchsetzt mit Steroiden im Erforschungsstadium. Die Athleten wurden also zu Versuchskaninchen.  gük

Artikel 4 von 11