Madrid – Nach Real Madrids Negativ-Rekord hagelte es Spott für Julen Lopetegui. Eine Fotomontage im Netz zeigte den Trainer der kriselnden Königlichen vor dem Arbeitsamt. Auch eine in Spanien bekannte Online-Jobbörse machte sich einen Spaß aus Lopeteguis heikler Lage. Spanische Sporttageszeitungen wie AS oder Marca spekulierten bereits über mögliche Nachfolger des 52-Jährigen.
Lopetegui, der erst im Sommer auf Zinedine Zidane gefolgt war, steht bei Real nach zuletzt vier Niederlagen aus fünf Spielen stark in der Kritik. Am dritten Spieltag der Champions League-Gruppenphase heute gegen Viktoria Pilsen ist ein Sieg Pflicht, um den Druck vom angezählten früheren spanischen Nationalcoach zu nehmen.
Lopetegui verantwortet eine tiefe sportliche Krise, die am Wochenende ein historisches Ausmaß angenommen hatte. Beim 1:2 gegen UD Levante stellte Real einen clubinternen Negativ-Rekord auf: Nie in der ruhmreichen 116-jährigen Geschichte des Vereins hat Madrid länger auf ein Tor warten müssen (480 Minuten). Lopetegui wollte sich dennoch nicht mit der aufkeimenden Trainerdebatte befassen. „Ich mache mir nicht zu viele Gedanken über das, was geschrieben und gesagt wird. Ich konzentriere mich auf das Spiel. Wir müssen uns auf unsere Ziele fokussieren“, sagte er vor der Abreise nach Tschechien.
Rückendeckung erhielt Lopetegui von seinem Team. „Wir Spieler schießen keine Tore und verteidigen nicht gut. Es liegt nicht immer nur am Trainer“, sagte Isco. Kapitän Sergio Ramos versicherte: „Julen hat den Rückhalt der gesamten Kabine.“
Wie lange der mächtige-Präsident Florentino Perez noch hinter Lopetegui steht, bleibt abzuwarten. Fünf Tage nach dem Spiel gegen Pilsen steht der Clasico beim FC Barcelona an. Eine Niederlage beim Erzrivalen und Tabellenführer würde bei den stolzen Madrilenen vermutlich personelle Folgen haben.
Rund um das Bernabeu kursieren längst prominente Namen. Antonio Conte etwa, zuletzt beim FC Chelsea angestellt, steht angeblich als Nachfolger hoch im Kurs. Die besten Karten hat aber wohl ein weitgehend Unbekannter im Trainergeschäft. Santiago Solari, 42, betreut Reals Nachwuchsteam Castilla – und das ziemlich erfolgreich. Die B-Mannschaft von Real Madrid ist nach neun Spielen in dieser Saison noch ungeschlagen. sid