München – Bundestrainer Marco Sturm war vergangene Woche in München, beim Spiel des EHC gegen Schwenningen konnte er jede Menge Nationalmannschafts-Aspiranten begutachten. Sieben nominierte er für den Deutschland Cup (sechs Münchner plus Mirko Höfflin von den Wild Wings). Der Deutsche Eishockey-Bund überschrieb seine Meldung zum Turnier in Krefeld (8. bis 11. November): „Sturm nominiert 15 Silberhelden.“
Ach ja, das Olympia-Silber von Pyeongchang, die großen Stunden der Nationalmannschaft. Die Vereine verzeichnen seitdem einen Anstieg bei den Neuanmeldungen von Kindern, die diesen Sport erlernen wollen. Aber wie sieht es an der Spitze aus, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), in der die meisten der Silber-Helden immer noch spielen? Ein Viertel der postolympischen Saison ist vorbei – und man bemerkt wenig davon, dass so etwas wie ein Zuschauerboom ausgebrochen wäre.
Der bisherige Schnitt aus allen Spielen beträgt 5645 – was nicht so schlecht klingt. Jedoch: Zehn der 14 DEL-Clubs liegen unter dieser Marke. Sie wird getragen von Berlin, Mannheim, Köln und der nach kargen Jahren gut in die Saison gestarteten Düsseldorfer EG. Allerdings glänzen auch die 9577 Besucher in Köln nicht mehr so sehr, wenn man weiß, dass die Arena in Deutz 18 500 Plätze bietet.
Auch dem EHC München, dem Hauptlieferanten des Nationalteams, wird nicht die Bude eingerannt. Zum ersten Heimspiel mit nachträglicher Meisterzeremonie kamen 5100 Zuschauer in die alte Eishalle am Oberwiesenfeld (Fassungsvermögen 6142), es waren auch viele Anhänger von Gäste-Team Straubing dabei. Doch seit dem zweiten Heimspiel steht es sich luftiger. In vier von sieben Partien fing die Zuschauerzahl mit einer 3 an.
München hatte drei Oktoberfest-Matches – klassisches Kassengift. Die Freikartenverteilung und Sonderaktionen vergangener Spielzeiten hat der EHC reduziert. Bei den Dauerkarten gab er gegenüber dem Fachblatt „Eishockey-News“ einen Rekord an: 1600. Die Nachfrage nach Sitzplätzen sei kaum noch zu erfüllen, heißt es. Es gibt nur knapp 1500, die Olympia-Eishalle ist ein Stehplatzstadion.
Typisch Münchnerisch ist zudem, dass das Interesse erst zunimmt, wenn der Winter spürbar wird. Im Herbst 2018 war das Wetter definitiv gut, also eishockeyunfreundlich. Zudem musste der EHC einmal auf den ungünstigen Donnerstag ausweichen.
Aus EHC-Kreisen (aber nicht nur aus ihnen) vernimmt man freilich auch die Klage, dass von der DEL-Leitung in Neuss zu wenig komme, um Eishockey zu propagieren. Zwar hat die Liga ihre Social-Media-Auftritte aufgemotzt, doch von der neu beauftragen Kommunikationsagentur „(m)STUDIO“ aus Düsseldorf, die sich ihrer Kompetenz „in den Bereichen Brand Experience, Content und Distribution“ rühmt und eine mediale „Wertschöpfungskette“ erstellen wollte, vernimmt man nichts. Als hätte es die Silber-Chance nie gegeben.