München – Es sind die Geister, die Daniel Bierofka gerufen hat. Um gerüstet zu sein für die Mission 3. Liga hatte der Löwen-Coach drei Wünsche formuliert: Sein Kader sollte a) breiter aufgestellt sein als im Aufstiegsjahr, b) qualitativ besser und c) von einem internen Konkurrenzkampf geprägt, der ihm, dem Trainer, die Auswahl so schwer wie möglich macht. Bitteschön, möchte man dem ehrgeizigen Coach jetzt zurufen: Viel Spaß beim Entscheiden!
Speziell zwei Personalien sind es, die Bierofka gewisses Bauchgrimmen bereiten dürften. Es geht um die Torwart- und die Kapitänsfrage und somit um zwei der exponiertesten Posten im Team. Konkret: Wie verfährt Bierofka mit Felix Weber, seinem langjährigen Vertrauten, den er zuletzt auf die Bank setzte? Und was macht er mit Marco Hiller, wenn Henrik Bonmann bald wieder fit ist?
Der Reihe nach: Zu den personellen Opfern nach der Meppen-Pleite zählte auch Weber, der Kapitän – und es fiel Bierofka erkennbar schwer, hinterher die richtigen Worte in Richtung des geknickten Innenverteidigers zu formulieren. „Zuletzt hatte Felix einen Rucksack auf“, sagte Bierofka: „Er hat meine Entscheidung verstanden. Trotzdem ist er nach wie vor ein sehr wichtiger Spieler für mich.“ Wichtig wohl auch in dem Sinne, dass er nicht aufbegehrt, wenn seine Pause etwas länger dauert. Bierofka ist bekannt dafür, das Leistungsprinzip hochzuhalten, das muss zwangsläufig auch sein Kapitän mittragen. Souverän, wie Daniel Wein ihn vertreten hat (als Kapitän und auf Webers Position), gibt es jedenfalls keinen Grund, etwas zu ändern – zumal Wein wiederum vorzüglich von „Krieger“ Romuald Lacazette vertreten wurde.
Ähnlich verhält es sich in der T-Frage: Hiller rauszunehmen, wenn Bonmann vollständig genesen ist, wäre nur schwer mit dem Leistungsprinzip zu erklären – zumal Bierofka stets erklärt hat, den Kampf um die Nummer 1 weiter als „offenes Rennen“ anzusehen. Tendenz: Auch Hiller bleibt nach seinen tadellosen Leistungen im Team und hütet zunächst bis zum Winter das Löwen-Tor.
„Es ist für mich immer gut, wenn ich die Qual der Wahl habe“, sagte Bierofka – mit der Betonung auf dem Wort Qual. Aber: Er hat es ja nicht anders gewollt. ulk