Das Transparent in der Kurve der Fans von AEK Athen stach gestern ins Auge: „Born from ashes, destined for glory“ stand da zu lesen, geboren aus Asche, bestimmt zum Ruhm – nicht unbedingt tiefgreifendste griechische Philosophie, aber ein Sinnspruch, den man in der aktuellen Situation auch dem FC Bayern zuschreiben könnte. Leider war das Transparent in den AEK-Farben gehalten: schwarz-gelb. Diese Kombination ist im deutschen Fußball auf ewig für Borussia Dortmund reserviert. Und der BVB quält die Bayern dieser Tage bekanntlich als ziemlich lästiger Phönix aus der Asche, recht nachhaltig.
Die Münchner sind gerade erst dabei, sich aus der Asche zu erheben, wobei sie in letzter Zeit gehörig selbst gezündelt haben. An manchen Stellen der Republik raucht es noch immer seit der denkwürdigen Pressekonferenz an anderen Stellen köchelt und brodelt es – die Stimmung ist explosiv. Die Bosse hatten eine andere Intention bei ihrem Auftritt, doch ihre Botschaft ging gründlich verloren. Nun helfen fürs Erste nur Siege, Siege, Siege und kontinuierlich vernünftige Wortmeldungen, um alle Brandnester auszutreten.
Mit dem 2:0-Sieg gestern in Athen haben die Münchner nachgelegt, das 3:1 am Wochenende in Wolfsburg war der erste Schritt. Noch immer etwas wacklig, aber im Verlauf doch auch souverän, nähern sich die Bayern wieder der Form ihrer Anfangszeit unter Niko Kovac. Trotz allem wird es noch ein paar Wochen dauern, ehe die Glut abgekühlt ist. Es geht zum einen darum, Distanz zu bekommen zu den Geschehnissen der letzten Tage, und zum anderen, sich sportlich wieder über alle Vorbehalte erhaben zu machen. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League ist in dieser Hinsicht noch viel zu tun, und als ultimativer Lackmustest richten sich die Ferngläser schon jetzt voller Vorfreude auf das brisante Duell mit Borussia Dortmund im November.
Mehr noch als das Transparent gestern in der Fankurve der Griechen erinnerte ihr Trikot an den BVB; genau genommen an das Finale in der Champions League 2013 in Wembley. Damals trugen die Dortmunder die gleichen Balken in schwarz-gelb über der Brust, das beschwor Bilder herauf, an denen sich die Bayern bis heute selber messen: Wieder das Finale der Königsklasse zu erreichen, ist das Fernziel. Um das aber zurück in den Blick zu bekommen, muss sich erst mal viel Rauch verziehen.
Andreas.Werner@ovb.net