München – „Der Daubner!!!“ Christian Winkler, der Sportchef des EHC München, rief das. Es war am Freitagabend, Winkler hatte sich in Augsburg auf die Pressetribüne gestellt, um von dort das Spiel des EHC bei den Panthern zu verfolgen. 55 Minuten lang stand es 0:0, dann fiel das Tor. Durch Maximilian Daubner.
„Der Daubner!!!“ So vieles steckte in Winklers spontanen und simplen Aufschrei. Überraschung. Begeisterung. Auch Genugtuung. Dass einer der Jungen, die sonst nur am Rand dieses Elitespielerkreises stehen, Partien entscheiden. Der verwandelte Abpraller blieb nicht die einzige Szene des 21-Jährigen. Kurz danach musste er auf die Strafbank, die Münchner 1:0-Führung geriet in Gefahr. Doch als er zurückkam aufs Eis, bekam er von den Kollegen den Puck in den Lauf gespielt und machte noch das zweite Tor (Augsburg hatte seinen Keeper herausgenommen). 2:0 gewonnen, beide Treffer durch einen, der in der DEL noch keinen gehabt hatte. Wahnsinn. Der Daubner!!!
Und am Sonntag, zwei Tage später, konnte man auch sagen: Der Quaas!!! Der Mayenschein!!! Sie gehörten zu den treffsicheren Akteuren beim 6:2 gegen Iserlohn. Und zuvor in dieser Saison schon: Der Toby Eder!!! Der EHC München hat erstaunlich viele DEL-Torpremieren in dieser Saison zu feiern.
Dass Maxi Daubner, gebürtiger Deggendorfer, ausgebildet im örtlichen Verein und beim EV Landshut, Tore schießt, ist an sich keine Überraschung. „Meine Stärke ist, dass ich vor dem Tor gut arbeite und mir die Position heraushole“, beschreibt er sich selbst. Womit nicht zu rechnen war: Dass er in der DEL trifft. Denn eingeplant hat ihn der EHC München vor allem für den Kooperationspartner, den SC Riessersee in der Oberliga. Doch aktuell fünf verletzte Stammspieler in München haben dafür gesorgt, dass Don Jackson Ersatz aus Garmisch-Partenkirchen anfordert. Dort wird nach seinen Vorgaben gearbeitet, Riessersees Trainer Toni Söderholm war Spieler und Assistenzcoach unter Jackson.
„Für mich ist es ein Glück“, sagt Daubner zur Verletzungswelle beim EHC, „für die Betroffenen aber Pech“. Freude über die Situation wäre Schadenfreude und unangemessen, weil Daubner sich „gut aufgenommen“ fühlt. Jason Jaffray hat in Augsburg sofort den Puck gesichert, mit dem Daubner sein erstes DEL-Tor erzielte. Kollegiale Geste. „Wahnsinn, was die für eine Erfahrung mitbringen“, sagt der Youngster über die Cracks, neben denen er auf einmal spielen darf.
Irgendwann kehren die Verletzten zurück, das ist klar. Dann wird es interessant im Kader des EHC und unter Don Jackson, der ein Trainer ist, der Routine und Verdienste schätzt, Hierarchien und (landsmannschaftliche) Verbundenheit pflegt. Werden die aufstrebenden Jungen dann zurück zum SC Riessersee geschickt – oder können sie (oder einige von ihnen) einen etablierten Spieler verdrängen?
Don Jackson hat bereits angefangen zu grübeln. „Es könnte eine oder zwei harte Entscheidungen geben“, meint er. „Definitiv haben wir in diesem Team jetzt einen Wettbewerb.“