Erst die Doppel 20 wird Hopp zum Verhängnis

von Redaktion

Der 22-Jährige verliert im EM-Halbfinale kurz die Nerven, er schreibt dennoch deutsche Dart-Geschichte

Dortmund – Nach drei vergebenen Matchdarts weinte Max Hopp bittere Tränen der Enttäuschung. Zu diesem Zeitpunkt realisierte der 22-Jährige noch nicht, dass er mit seinem Halbfinaleinzug bei der Europameisterschaft ein weiteres Kapitel deutscher Darts-Geschichte geschrieben hatte.

„Ich hatte drei Darts in der Hand, 40 Punkte Rest, ich muss das Match einfach für mich entscheiden“, sagte der Idsteiner mit zittriger Stimme. Das gesamte Wochenende über hatte Hopp in der Dortmunder Westfalenhalle sein Potenzial abrufen können, ehe ihm im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger James Wade (England) die acht Millimeter große Doppel 20 zum Verhängnis wurde.

Acht Millimeter, die den ersten deutschen Halbfinalteilnehmer eines Majorturniers der Professional Darts Corporation (PDC) vom Finaleinzug und dem ganz großen Wurf trennten. „Ich habe mental den Fokus verloren, James ist einfach ruhig geblieben. Vielleicht war ich im Kopf einen Schritt zu weit“, erklärte Hopp, der für sein junges Alter ein gesundes Maß Selbsteinschätzung an den Tag legt.

Noch im Moment der Trauer wichen die Tränen dem Gedanken daran, was er bei den European Darts Championship (EDC) Sensationelles für den deutschen Dartssport geleistet hatte. „Wenn ich morgen aufwache, werde ich anders über das Turnier denken. Ich habe mich selbst in eine gute Position für die Zukunft gebracht“, meinte Hopp.

Darauf hoffen die deutschen Dartsfans seit Jahren. Der ganz große Durchbruch schien dem „Maximiser“ aber nicht gelingen zu wollen, in Fachkreisen stand der große Hoffnungsträger im Ruf, ein ewiges Talent zu sein.

Dies hat sich im Laufe des Jahres geändert. Aus Hopp wird ein ernstzunehmender Konkurrent, der es mit der Weltspitze aufnehmen kann. „Ich bin sehr selbstbewusst und kann mithalten, wenn ich meine Form abrufe“, sagte Hopp.

Schon im April hatte er mit dem Turniersieg bei den German Darts Open in Göttingen, dem ersten eines deutschen Profis bei der PDC überhaupt, bewiesen, dass ihn ein guter Lauf durch ein gesamtes Turnier tragen kann. So war es auch in Dortmund. Bis zu den schmerzhaftesten drei Fehlwürfen seiner Karriere überzeugte Hopp mit soliden Checkouts und hohen Finishes.

Angetrieben wurde er dabei vom enthusiastischen Dortmunder Publikum, das jedoch nicht nur mit grandioser Stimmung glänzte, sondern auch immer wieder durch unfaire Pfiffe gegen Gegner deutscher Starter auffiel. Dieses für den Dartssport untypische Verhalten zog sich durch die gesamten vier Turniertage, an denen insgesamt 25 000 Besucher kamen. Erst zum Halbfinale wurde es besser. „Die Zuschauer waren trotzdem klasse. Sie spielen eine große Rolle, dass ich so weit gekommen bin“, sagte Hopp.  sid

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