„Große Sauerei, wirklich unsäglich“

von Redaktion

Leverkusens Sportchef Völler knöpft sich Kritiker von Trainer Herrlich vor

Bremen – Rudi Völler war auf 180. „Das finde ich eine große Sauerei“, schimpfte der Geschäftsführer von Leverkusen und ließ dem Spektakel auf dem Platz eine seiner legendären Wutreden folgen. „Wirklich unsäglich“ und „unglaublich“ sei der Umgang mit Heiko Herrlich, polterte er und echauffierte sich darüber, dass der Trainer im Interview bei „Sky“ seiner Meinung nach „vorgeführt“ worden sei. Handgestoppte 3 Minuten und 28 Sekunden dauerte Völlers Moralpredigt im Kabinentrakt des Bremer Weserstadions. Der 58-Jährige erinnerte an die denkwürdige Pressekonferenz der Bayern-Bosse anderthalb Wochen zuvor, auch wenn Völler klarstellte: „Ich will jetzt nicht an die Menschenwürde herangehen.“ Immerhin.

Im Orkan Völler, dessen harsche Kritik sich vor allem gegen Moderator Patrick Wasserziehr richtete, ging der Husarenritt der Werkself fast ein wenig unter. Beim 6:2 (3:0) brannte Bayer ein Offensiv-Feuerwerk ab und zerlegte die zuletzt so heimstarken Bremer (ein Jahr ungeschlagen) mit Konterfußball. Völler lobte den in die Schusslinie geratenen Herrlich für eine „überragende taktische Leistung“. Schon morgen kann Leverkusen im Pokal in Gladbach den nächsten Schritt aus der Krise machen.

Gelingt dies nicht, dürfte es wieder bohrende Fragen zur Zukunft Herrlichs geben. Zumindest am Sonntag durfte sich der Coach als großer Gewinner fühlen. Seine Taktik mit fünf Verteidigern und schnellem Umschaltspiel war voll aufgegangen. Nach drei Liga-Spielen ohne Sieg in Serie und dem schwachen Auftritt in der Europa League in Zürich (2:3) sendeten die Profis mit der besten Offensivleistung der Saison ein klares Signal. „Mir geht es auf den Sack, dass wir immer erst in höchster Not die Kurve kriegen“, sagte Julian Brandt. Der 22-Jährige zeigte sich selbstkritisch und nahm die Mannschaft in die Pflicht. „Jetzt haben wir uns die Messlatte natürlich selbst sehr hoch gelegt. Daran werden wir uns bewerten lassen müssen.“

Herrlich selbst genoss im Stillen. Große Worte der Genugtuung waren dem 46-Jährigen im Moment des Erfolges fremd. Um wieder dauerhaft erfolgreich zu sein, benötigt Bayer mehr Stabilität in der Defensive. Denn Stürmer Kevin Volland erinnerte zu Recht an Phasen, „in denen wir extrem geschwommen sind und richtig Glück hatten“. Bevor Völler nach seiner Wutrede von dannen zog, schnappte er sich den Trainer und raunte ihm anerkennend zu: „Das hast du super gemacht.“  sid

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