Leicester – Als die Sonne aufging über dem überwältigenden Blumenmeer, standen immer noch viele Fans gedankenverloren und mit Tränen in den Augen vor dem zur Gedenkstätte gewordenen Stadion von Leicester City. Die Trauer um Clubboss Vichai Srivaddhanaprabha kannte auch gestern keine Grenzen. Besonders schmerzhaft war es für seine Witwe und seinen Sohn – sie legten einen Kranz nieder und beteten. Auch die Mannschaft um Teammanager Claude Puel, Torjäger Jamie Vardy und Torhüter Kasper Schmeichel würdigten Srivaddhanaprabha an der Unglücksstelle. An eine Rückkehr in den Alltag war für den englischen Fußball nicht zu denken.
„Ich bin am Boden zerstört, mein Herz ist gebrochen“, schrieb Schmeichel, der am Samstagabend als einer der Ersten an der Unglücksstelle des dramatischen Helikopter-Absturzes eingetroffen war, in den Sozialen Medien. Insgesamt gab es fünf Todesopfer, darunter auch die beiden Piloten sowie zwei Mitarbeiter von Srivaddhanaprabha.
Vardy fiel es schwer, „die richtigen Worte“ zu finden. „Für mich warst du eine Legende, ein unglaublicher Mann, der alles für mich, meine Familie und den Klub getan hat. Ich werde dich sehr vermissen. Ruhe in Frieden“, schrieb der Torjäger.
Das Unglück ereignete sich am Samstagabend nach dem Heimspiel der Foxes gegen West Ham United (1:1). Srivaddhanaprabhas Hubschrauber war wie gewohnt vom Rasen im King Power Stadium gestartet, aus bislang ungeklärten Umständen aber fast unmittelbar nach dem Start auf dem Stadionparkplatz E abgestürzt. Aus der ganzen Welt trafen am Montag Beileidsbekundungen in der 330 000-Einwohner-Stadt ein.
Srivaddhanaprabha, Vater von vier Kindern, wurde 60 Jahre alt. Nicht nur von den Leicester-Fans wurde er verehrt als Wohltäter und Gegenentwurf zu den vielen anderen, unnahbaren Eigentümern von Premier-League-Klubs. Der Thailänder, der stets bescheiden und freundlich auftrat, hatte den Verein im August 2010 für 39 Millionen Pfund übernommen, seit Februar 2011 war er Vorsitzender. Unter seiner Führung stieg Leicester 2014 in die Premier League auf und schrieb zwei Jahre später mit der englischen Meisterschaft ein modernes Fußball-Märchen. sid